1 Film, 2 Meinungen: DER DISTELFINK

Von Beate Geibel und Tatjana Lommel

Darum geht’s in DER DISTELFINK

Der 13-jährige Theo Decker sah seine Mutter das letzte Mal, als sie in einen anderen Ausstellungsraum des Metropolitan Museum of Art ging. Sekunden später explodierte eine Terrorbombe, die unbezahlbare Kunstwerke zerstört … und auch Theos Leben für immer erschüttert.

Die Tragödie verändert seinen Lebensweg und zieht eine ergreifende Odyssee zwischen Trauer und Schuld, Neuanfang und Erlösung, Freundschaft und sogar Liebe nach sich. Im Laufe dieser turbulenten Jahre bis ins Erwachsenenalter klammert sich Theo heimlich an ein kostbares Objekt, das seine einzige greifbare Verbindung zu seiner Mutter ist, die er an jenem entsetzlichen Tag verloren hat – das Gemälde eines winzigen Vogels, festgekettet an seiner Stange: der Distelfink.

Hier könnt Ihr einen Blick auf den Trailer werfen:

Was Tatjana sagt… 

Vorab muss ich sagen, dass ich die mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnete Romanvorlage von Donna Tartt nicht gelesen habe. Somit hatte ich keine vorab produzierten Bilder im Kopf, was natürlich ein Vorteil sein kann. Hier bin ich mir allerdings nicht so sicher, da der Roman vielleicht unter Umständen das Anschauen etwas erleichtert hätte.
Die ersten 10 Minuten, heißt es, sind entscheidend, um an der Geschichte dran zu bleiben. Dies gestaltet sich allerdings schon schwierig. Der emotionale Einstieg fehlt von Anfang an und bleibt auch während der gesamten 150 Minuten aus.
Es gibt keinen wirklichen roten Faden durch diese episodenhafte Erzählung. Der Film springt zwischen einer Erzählung über erlebtes Trauma, einer Liebesgeschichte und einer Geschichte über eine merkwürdige Freundschaft hin und her und kann sich zwischen all dem nicht entscheiden. Wirklich glaubhaft ist – trotz toller Darsteller – keiner dieser Stränge. Das Bild des Distelfinks, dass all dies verknüpfen soll, erscheint eher durchweg wie eine Nebensächlichkeit und erhält erst zum Ende hin einen Hauch von Wichtigkeit.
Die von John Crowley inszenierte Reise des Protagonisten Theo Decker schafft es einfach durchweg nicht, den Zuschauer emotional mitzunehmen, um am Schicksal von Theo teilhaben zu können. Einzig die von Kameramann Roger Deakins geschaffenen Bilder, lassen den Film zumindest schön aussehen – reichen aber bei Weitem nicht aus, um den Zuschauer in seinen Bann zu ziehen.

Mein Fazit

Mit einem Budget von 45 Millionen Dollar leider eine in den Sand gesetzte Verfilmung, der man die Bemühung, etwas Besonderes schaffen zu wollen, zwar anmerkt, aber die dieses Vorhaben einfach nicht erreicht.
Dafür 2 von 10 Punkten

Was Beate sagt…

Als 1992 Donna Tartts erster Roman “Die Geheime Geschichte“ erschien, galt er als kleine literarische Sensation, denn es gelang ihr scheinbar mühelos, Anspruch, Unterhaltung, Intellektualität und Spannung miteinander zu verbinden und das knapp zehn Jahre bevor Jonathan Franzen auf der Bildfläche erschien.
Seit der „Geheimen Geschichte“ bin ich Fan von Donna Tartts Büchern und habe somit auch den mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Roman “Der Distelfink” gelesen und gefeiert.
Als Kritiker wandelt man, auch wenn’s kaum einer zugeben mag, permanent auf dem schmalen Grad zwischen persönlichem Geschmack und objektiver Beurteilung. In dem hier vorliegenden Fall sind sich Ego und Geist allerdings einig: Was für eine Enttäuschung. 
In der Romanvorlage verschwimmen die Grenzen zwischen guten Absichten und bösen Handlungen. Dort steht der Protagonist vor essentiellen Fragen nach seiner Identität, nach den Fehlern im Muster des Schicksals, hervorgerufen durch die erlebten Traumata. 
Die Themen wie u.a. Schuld und Sühne sind anspruchsvoll, tauchen ein in Grundsatzfragen der Philosophie, haben Tiefe und Substanz – all das, was dem Film fehlt.
Der Film wird der Romanvorlage in keinster Weise gerecht, denn er nutzt die ihm gebotenen Möglichkeiten nicht.
Die Schauspieler wirken wie puppenartige Statisten in einem hübsch ausgeleuchteten Theaterstück, alles leuchtet, die Bilder sind elegant und schick, doch fehlt das Herz, was die Geschichte zum Leben erweckt.
Eine glatt polierte Hülle ohne Seele, bei der sich alles an der Oberfläche abspielt.

Mein Fazit

Besorgt Euch das wunderbare Buch und spart Euch den Film!
Daher: 2 von 10 Goldblums

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