1 Film, 2 Meinungen: MORTAL ENGINES – KRIEG DER STÄDTE

Die zwei Meinungen stammen aus der Feder von Beate Geibel und Melanie Pozo Alcocer

Worum geht’s in MORTAL ENGINES: KRIEG DER STÄDTE eigentlich?

Vor Hunderten von Jahren verwüstete eine gewaltige Katastrophe die Erde, doch die Menschheit hat sich ihrer neuen Umgebung längst angepasst. Gigantische Metropolen auf Rädern erhoben sich aus den Trümmern der untergegangenen Zivilisation. Auf der Suche nach den letzten Ressourcen fahren sie über die verdorrte Steppe und verschlingen gnadenlos die kleineren Städte. Zu den großen Metropolen gehört auch London als einer der gewaltigsten rollenden Kolosse.

In diesem unerbittlichen Kampf trifft der unscheinbare Tom Natsworthy (Robert Sheehan) in einer schicksalshaften Begegnung auf die gefährliche Flüchtige Hester Shaw (Hera Hilmar) – zwei Gegensätze prallen aufeinander, zwei Menschen, deren Wege einander nie hätten kreuzen sollen. Sie und Anna Fang (Jihae) schmieden eine überraschende Allianz, die über den Fortgang der Menschheitsgeschichte bestimmen könnte.

Der Trailer macht definitiv Lust auf mehr…

Was Beate sagt…

Unsere Welt am Rande des Untergangs, hervorgerufen durch die eigene Überheblichkeit ihrer Bewohner.
Aus Städten wie London wurden gierige Maschinen auf Rädern, die sich, dem Gesetz der Darwinschen Auslese folgend, kleinere, schwächere Städte einverleiben.
Gepaart mit Bildern, die quasi als visuelle Metapher für Kapitalismus fungieren, ergibt das eine Prämisse, die nicht nur wie Arsch auf Eimer zu den aktuellen Geschehnissen unserer Zeit passt, sondern auch große Spannung verspricht.
Was dabei herausgekommen ist, ein zwar bildgewaltiges aber blutleeres, weil konventionelles Action-Spektakel.

Das Einzige was an diesem Film Seele hat, ist ausgerechnet der Zombie-Terminator, Shrike!

Die Momente, ziemlich zum Schluss des Filmes, als Shrike sich, im Sterben befindlich, tief im Inneren an seine vormals menschliche Seele erinnert, sind berührend. Was den Rest der Cast angeht, Robert Sheehan, Tom, ist nett anzuschauen, aber dank Drehbuch als reines Eye Candy ohne eigenes Profil, vollkommen verschenkt. Der Junge kann mehr.
Auch die eigentliche Hauptfigur, Hester, gespielt von der sonst guten Hera Hilmar, bleibt dank Drehbuch ebenso blass, wie der Hochkaräter Hugo Weaving.

Das Elrond-Problem

Die Tatsache, dass sie Weaving in der deutschen Synchronisation nicht nur den gleichen Synchronsprecher wie Herr der Ringe’s Elrond verpasst haben, nein, zu allem Überfluss hat er in der Rolle des Bösewichts Valentine, auch noch den komplett gleichen verbalen Ausdruck.
Ich sass da und dachte, okay, Elrond ist am Start, gleich kommen Legolas, Aragorn und die Hobbits um die Ecke.
Wer kommt bei der Synchronisation auf solch eine Idee?
Von den Schauspielern weiss, ausser Stephen Lang (Shrike), nur Anna Fang als arschcoole Pilotin Jihae zu gefallen, die aktuell übrigens in der zweiten Staffel der sehr guten National Geografic Serie MARS zu sehen ist.

Fazit

Großartig, weil prächtige Bildlandschaften – eine visuell durch und durch wunderbare Welt, in der überall Echos von Herr der Ringe, Mad Max und Stars Wars zu finden sind.

Inhaltlich leider ohne Seele und Herz, klassisches, hohles Young Adult Material, das zwar unterhält, sich aber nicht im Herzen festsetzt.

5/10 Goldblums

Bevor wir zur zweiten Meinung in unserer Film-Review kommen, hier noch eine Film-Featurette:

Zum Schluss: Was Melanie sagt…

Beate und ich hatten das große Glück diesen Film in einem IMAX-Kino sehen zu dürfen. Ich bin nicht immer Fan von 3-D-Spektakeln – aber in diesem Fall sag ich nur: Hallelujah! Was für ein unfassbarer und bildgewaltiger Film, der zugegeben mehr versucht als ihm leider am Ende gelingt. Aber vorweg: Ganz so streng wie Beate sehe ich die Sache nicht.

Dafür haben mich zu sehr die Bilder fasziniert und in ihren Bann gezogen. Mein lieber Herr Gesangsverein, was Regisseur Christian Rivers mit seiner Crew für eine Welt kreiert ist jenseits des Vorstellbaren. Selbst „Mad Max: Fury Road“ kann da visuell nicht ganz mithalten – obwohl ich den Film großartig finde!

Von der ersten Minute hat’s mich gepackt, es ist durchweg spannend und keine Sekunde langweilig. Dass die Charaktere allerhöchstens plakativ sind – und es ihnen an Tiefe fehlt, ist mir zwar aufgefallen, gestört hat es mich allerdings nicht wirklich. Vielleicht, wenn ich mir den Movie ein zweites Mal anschaue und die Macht der Bilder ihren Zauber verloren haben.

Trotzdem muss ich Beate Recht geben:

Wer sagt, dass Charakterbildung und epische Bildwelten sich gleich ausschließen?

Es gibt genügend Filme, in denen genau dies gelingt!

Allen voran: Bitte, bitte macht Eure Bösewichte nachvollziehbar. Das Wichtigste an jeder Geschichte ist doch: Was ist die Motivation der Figuren? So richtig leuchtet mir das bei Valentine nicht ein. Und nur *hüst, hüst* Macht-Hunger? Lame, Langweilig, leider oldschool! Next please! Bitte einmal überlegen, warum ein Bösewicht wie Loki es schafft, dass er fast genauso geliebt wird wie der Held Thor.

Die Antwort? Loki hat menschliche Eigenschaften, die zutiefst nachvollziehbar sind! Er wurde verlassen – ist ein Alien in einem Land, in dem er aufgezogen wurde und trotzdem nicht seine Heimat ist. Er lebt in ständiger Konkurrenz mit seinem Adoptiv-Bruder, zerfressen vom Neid – und dem Versuch Anerkennung vom Adoptivvater zu bekommen und noch mehr Liebe von der Adoptivmutter. Das hat Tiefe, das versteht wirklich jeder – dafür müssen wir nicht Psychologie studiert haben.

Die Motivationen der Figuren müssen bei jeder kleinsten Figur nachvollziehbar sein – und sollten vielleicht auch das Plakative / Klischeehafte ein bisschen überspringen, um einen richtig guten Film auszumachen. Und auch da gebe ich Beate Recht. Das gelingt am Ende am Besten beim Zombie-Stalker Shrike. Bei den anderen kann ich die Motivationen höchstens im Ansatz erkennen. Das hätte wirklich wirklich besser gehen können!

Zuletzt greife ich noch mal was auf, was Beate schon erwähnt: Ich hatte das Gefühl, die grobe Struktur von Star Wars wieder zu erkennen. Natürlich verpackt in einer anderen Welt mit anderen Kostümen und anderen Prämissen. Aber die Storyline „Dunkle Macht vs. die Rebellen“ war deutlich zu erkennen. Und obwohl Darth Vader mit seiner Schnapp-Atmung ein Kultlevel erreicht hat, das beim besten Willen diesem Film niemals gelingen wird – war implizit sogar das legendärste Zitat aller Zeiten ungesagt / gesagt…

ACHTUNG SPOILER!!

„Ich bin Dein Vater“

Fazit

Mir hat der Film trotz aller Kritik wirklich Spaß gemacht. Wer den Fokus auf das visuelle Spektakel legt – und nicht auf die oberflächigen Charaktere, wird ein actiongeladenes Popkorn-Kino erleben. Und bestimmt viel Spaß dabei haben!

Daher: 7 von 10 Punkten

Kinostart: 13. Dezember 2018

Laufzeit: 128min / FSK: freigegeben ab 12 Jahren

im Verleih von Universal Pictures International Germany

Besetzung: Hugo Weaving, Hera Hilmar, Robert Sheehan, Jihae, Ronan Raftery, Leila George, Patrick Malahide und Stephen Lang
Regie: Christian Rivers
Drehbuch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson
Nach den Romanen von: Philip Reeve
Produzenten: Zane Weiner, Amanda Walker, Deborah Forte, Fran Walsh, Peter Jackson

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