1 Film, 2 Meinungen: Review zu „The Promise“ (Kinostart 17.08.2017)

Von Matze Hoppe und Beate Geibel

Kurzinhalt

Konstantinopel 1914, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges: Die einst so lebendige und multikulturelle Hauptstadt des Osmanischen Reiches droht im Chaos zu versinken – und mit ihr der begabte Medizinstudent Michael (Oscar Isaac). Als die attraktive Künstlerin Ana (Charlotte Le Bon) an der Seite ihres Geliebten, dem amerikanischen Fotojournalisten Chris Myers (Christian Bale), aus Paris eintrifft, verliebt er sich Hals über Kopf in sie. Verbunden durch ihre gemeinsamen armenischen Wurzeln entfacht zwischen Ana und Michael eine unbeschreibliche Anziehungskraft, der Beginn einer leidenschaftlichen Liebe.

Doch schnell werden sie von der harten Realität des eskalierenden Krieges eingeholt und müssen aufgrund eines drohenden Genozids auf der Flucht bald nicht nur füreinander, sondern auch ums nackte Überleben kämpfen.

Fazit Matze

Der Film behandelt eine der wichtigsten geschichtlichen Ereignisse – den Völkermord an den Armeniern.

Für mich persönlich war „The Promise“ sehr wichtig, weil ich bisher noch keinen Film gesehen habe, der dieses Thema behandelt hat. Zugegeben: ich bin nicht Jemand, der sich auf historische Filme stürzt, geschweige denn besonders viele gesehen hat.

Die schauspielerischen Leistungen fühlen sich eher durchschnittlich an. Im Gegensatz zu den anderen beiden Hauptfiguren, nimmt Christian Bale eine stärkere Präsenz ein. Dies könnte aber auch daran liegen, dass „Mikael“ und „Ana“ wenig Persönlichkeit oder Tiefgang aufzeigen.

Die Liebesgeschichte ist vorhersehbar und eine besondere Chemie zwischen den Liebenden besteht leider auch nicht. Visuell ist der Film klasse und auch wenn die Charaktere etwas blass wirken, kann man mit ihnen mitfühlen und sie anfeuern. Die geschichtlichen Ereignisse werden weder beschönigt, noch in brutaler Ehrlichkeit dargelegt. Somit gab es nur ca. zwei Szenen bei denen ich mich deutlich unwohl gefühlt habe. Davon hätte es viel mehr geben können! Für Zuschauer, die Tiefgang, historische Genauigkeit und Intensität schätzen, würde ich diesen Film nicht empfehlen. Wer sich mit dem Thema bisher nicht viel beschäftigt hat und brutale Szenen nur in Maßen erträgt, für den ist der Film äußerst ansehnlich.

Fazit: Insgesamt ist es ein durchschnittlicher Film mit guten Ansätzen. Der Regisseur hätte wesentlich mehr Mut zeigen können, um die Grausamkeiten dieser Zeit stärker in den Vordergrund zu stellen. So kann „The Promise“ leider keine großen Spuren in der Filmgeschichte hinterlassen.

6 / 10 Punkten

Fazit Beate

Die Dreiecksbeziehung, ein zentrales Thema des Filmes, sollte wohl dazu dienen, den, von der türkischen Regierung verübten und bis zum heutigen Tag von ihr bestrittenen Genozid am Armenischen Volk, etwas zu versüßen und für ein Massenpublikum genießbar zu machen.

Dabei erliegt der ansonsten für anspruchsvolle Thematiken bekannte Regisseur, Terry Georg, (Hotel Rewanda, Im Namen des Vaters), dem Köder der Massentauglichkeit durch Romantisierung, einem 100 Millionen Budget und der Besetzung durch eine hochkarätige Cast.

Anstatt das eigentliche Thema, den Völkermord von 1,5 Millionen Menschen, der zwischen 19-14 und 1916 zu Beginn des ersten Weltkrieges durch die Türkische Regierung in den Vordergrund zu rücken, wirkt der grausame Massenmord wie reines Beiwerk neben dem süßlich verkitschten Liebes-Dreierlei der Protagonisten.

Die Handlung ist platt, selbst die beiden Hochkaräter Oscar Isaac und Christian Bale wirken seltsam kraftlos, gedämpft und fast ausgebremst. Kein Wunder, denn das Drehbuch gibt nicht einer einzigen Figur irgendeine emotionale Tiefe – es gibt keine ideologisch komplexe Rolle, geschweige denn stellt es auch nur eine einzige wirklich wichtige Frage zu diesem bis heute kontroversen Thema.

Wen das Thema interessiert, dem empfehle ich den bereits 2002 erschienen Film “Ararat” des kanadisch-armenischen Regisseurs Atom Egoyan.

Er stellte, im Gegensatz zu Terry Georg’s oppulenter Schnulzen-Version, historische Korrektheit in den Vordergrund und verzichtet in zurückhaltender, fast schon bescheiden Manier, komplett aufs Melodram und das ist genau das, was „The Promise“ gut getan hätte.

Fazit: Aus solch einem wichtigen Thema eine durchschnittliche Schmonzette zu machen – das ist das eigentlich Drama, und eben dieses retten weder die beiden Hauptdarsteller, noch die prachtvolle Ausstattung.

Ergo: Thema verfehlt

2/10 Punkten

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