(c) Amazon Prime Box_YAW

1 Serie, 2 Meinungen: Carnival Row

Von Beate Geibel und Ricarda Eichler

Orlando Bloom und Cara Delivingne, als Detective Rycroft Philostrate und Fee Vignette Stonemoss, gehen eine gefährliche Affäre in einer mystischen Fantasiewelt ein. Das Amazon Original CARNIVAL ROW startet am 30. August bei Amazon Prime Video in der englischen Originalversion. Die deutsche Synchronfassung folgt am 22. November. Wir haben uns das steampunkig anmutende Fantasy-Spektakel für euch schon mal zu Gemüte geführt.

Zum Inhalt von CARNIVAL ROW

CARNIVAL ROW spielt in einer viktorianischen Fantasiewelt, in der mythologische Kreaturen leben, die aus ihren exotischen Heimatländern fliehen mussten, da diese von den Königreichen der Menschen erobert wurden. Die wachsende Bevölkerung leidet unter der Co-Existenz neben den Menschen – denn es ist ihnen verboten frei zu leben, zu lieben oder zu fliegen. Doch selbst in dieser Dunkelheit glüht ein Funke der Hoffnung: Der menschliche Detective Rycroft Philostrate (Orlando Bloom) und die vertriebene Fee Vignette Stonemoss (Cara Delevingne) wagen es in dieser zunehmend intoleranten Gesellschaft eine gefährliche Affäre einzugehen. Vignette hütet jedoch ein Geheimnis, das Philos Welt während seines bisher wichtigsten Falls in Gefahr bringt – eine Reihe grausamer Morde bedroht den angespannten Frieden der CARNIVAL ROW.

Beates Meinung

Wäre ich bei der BILD, hieße die Schlagzeile: „CARNIVAL ROW”: Orlando Blooms neue Serie zeigt heißen Elfen-Sex, einen Serienkiller, viel nackte Haut und magische Viecher.“ In der ZEIT, würde mein Fazit lauten: „Die erst unterschwellig vorhandenen und dann immer stärker aufbrechenden Konflikte zwischen Menschen und Andersartigen, weil mystischen Kreaturen, in Amazons neuer TV-Serie “CARNIVAL ROW“, transportieren die real existierende Flüchtlings- und Einwanderungsthematik via Metapher und sind somit aktuell und vor Allem im gesellschaftspolitischen Kontext unserer Zeit, überaus relevant.“

Wäre ich bei der Bravo, klänge das ungefähr so: „Star News: Der süße Orlando Bloom ist zurück auf unseren Bildschirmen. In Amazons neuer Fantasy Serie “CARNIVAL ROW” spielt er einen menschlichen Detektiv, der in einer Welt voller Elfen und anderen mystischen Geschöpfen einen Serienmörder jagt. Unterstützt wird er dabei von seiner verloren geglaubten Liebe, dem Elfengeschöpf “Vignette”. Die Suche nach dem Killer wird zu einer Belastungsprobe für das Paar und ein Wettlauf mit der Zeit.“

Bei mir klingt das dann so: Als Regisseur bereits 2016 eingekauft, musste Oscar-Preisträger, Guillermo del Torro (Pans Labyrinth, The Shape of Water) 2017 wegen anderer Verpflichtungen passen. Der nächste in der Reihe war Paul McGuigan, der, noch im gleichen Jahr, den Regie-Staffelstab an Jon Amiel abtreten musste. Womit wir nach dem Hin- und Her der Regisseur-Suche, bei einem der Kernprobleme sind, die Geschichte fühlt sich zu Beginn vollkommen zerfahren an. So in etwa wie ein Auto, bei dem der Motor stottert und das erst einmal warm werden muss, bevor es dann endlich ins Laufen kommt.

Beates Fazit

Die Struktur der Serie funktioniert fast bis zur Hälfte der ersten Staffel nicht, denn die Figuren werden weder richtig eingeführt, noch sind die Handlungsstränge nachvollziehbar. Ab Halbzeit erklärt sich dann die Handlungsweise der Hauptfiguren in Rückblenden, macht dadurch deren Motivation verständlicher und die Geschichte beginnt Fahrt aufzunehmen. Für meinen Geschmack und mit der möglichen Vision eines Guillermo del Torro im Hinterkopf, hätte die Serie mehr Mut zur Hässlichkeit vertragen. Schließlich geht es hier zum einen, um eine phantastische Welt voll dunkler, mystischer Kreaturen und zum anderen, um brutale Morde. Für den gemäßigten Zuschauer mag das Gezeigte jedoch ausreichend fürs Mainstream Fantasy Genre sein.

Da die Serie ab der Hälfte Fahrt aufnimmt, die Chemie zwischen dem Elf und Herrn Bloom stimmt, mir die Idee der Fantasy Welt an sich gefällt, bin ich trotz einiger Abstriche auf die bereits vorab von Amazon bestellte Staffel 2 gespannt. 7/10 Goldblums

Ricardas Meinung

Leider kann ich mich da Beate überwiegend nur anschließen. Die Serie hat Style, die Menschen und Wesen sind hot, da ist soviel Potential wie in einer neuen Hot Topic Filiale – bzw. hierzulande EMP. Aber über die Optik hinaus ist der Inhalt eher mau. Serienkiller in viktorianisch anmutenden Städtchen haben wir auch bei The Alienist und anderen Serien. Liebesgeschichten mit Hindernissen praktisch überall. Sozialpolitische Metaphern sind jetzt auch nichts neues. Ja, CARNIVAL ROW trifft mit seiner Metapher den Zahn der Zeit. Dennoch wirkt alles etwas blatant.

Zu sagen der Tiefgang fehlt wäre aber nun auch falsch. Die Kriegsflüchtigen, die Unterschlupf bei eben jenen suchen, die für die Kriege mit verantwortlich sind. Die in diesem Asyl stets wie Bürger nicht nur zweiter sondern schätzungsweise zehnter Klasse behandelt werden. Das alles kennen wir in der realen Welt. Und natürlich zeichnet dieses Metapher-Element praktisch jede gute Fantasy-Saga unserer Zeit aus. Was mir fehlt ist irgendwie Spannung.

Da wird der Sohn eines hochrangigen Politikers (Jared Harris) entführt aber es wird, zumindest dem Zuschauer, im selben Atemzug klar gemacht, wer dahinter steckt. Ja, da rennt dieser Serienkiller durchs Steampunk Wonderland – aber da man zu keinem der Opfer einen Bezug hat, interessiert es auch nur so halb, wer wieso warum. Man kann das ganze so nebenbei plätschern lassen. Man kann die hübsche Optik genießen. Aber wirklich in seinen Bann zog mich CARNIVAL ROW nicht.

Ricardas Fazit

Besonders enttäuschend ist für mich das verschenkte Potential: da erschafft man eine Metapher auf rassistisch / soziopolitische Diskriminierung diverser Rassen – und schafft es nicht mal die menschliche Rasse dabei wenigstens in voller Vielfalt zu repräsentieren. Praktisch die gesamte herrschende Schicht die wir hier sehen ist weiß. Der von den Snobs verachtete neue Nachbar ist nicht nur ein Faun, sondern auch noch schwarz. Ach kommt schon Leute.

Kann man machen, muss man aber nicht. Das Equivalent des hochgezogene Schulter-Emoji. 5 von 10 Sternen.

 

 

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.