1 Serie, 2 Meinungen: Review zu Lost in Space (Netflix)

Von Ricarda Eichler und Beate Geibel

Netflix‘ Neuauflage der 60er Familien-Weltall-Saga LOST IN SPACE startet am 13.4. auf euren Bildschirmen. Wir konnten schon vorab einen Blick erhaschen und präsentieren euch hier unsere 2 Meinungen.

Zum Inhalt: Die Erde ist auf Grund eines Kometeneinschlages kurz davor unbewohnbar zu werden. Ein neuer bewohnbarer Planet wurde mit Alpha Centauri ausfindig gemacht und eine Handvoll auserkorener und in harten Prüfverfahren bestätigter Familien darf im Kolonieschiff Resolute die Reise antreten. Als Komplikationen auftreten strandet unsere zentrale Familie, die Robinsons, auf einem unbekannten Planeten und kämpft ums Überleben und die Weiterreise.

Beate sagt:

Das Original aus dem Jahre 1965 erfährt hier in der Netflix Neuauflage ein fettes Update.

Die Familie Robinson ist nicht mehr die perfekt harmonierende, heile Welt Familie, sondern sie entsprechen eher den heutigen Raritäten mit all ihren Facetten wie Dysfunktionalität, Attitude, Marotten und eben geschiedenen Eltern

Ein weiterer grosser Unterschied, der für mich die Geschichte noch interessanter macht, ist die Tatsache, das der Bösewicht, Dr. Smith, in der Neuauflage von einer Frau, in Gestalt von Parker Posey, gespielt wird. Sie ist für mich der Dreh- und Angelpunkt der Serie, die durch sie, Schärfe und Spannung bekommt.

Die Harmonie und Chemie in der Cast stimmt, was für mich, bei Ensemble Cast Shows der ausschlaggebende Faktor ist. Auch stimmen großteils Spannung und Geschwindigkeit, Look, Auswahl der Musik und verbinden zu einem großen, warmen SciFI-Familien-Märchen

Bis auf die letzten beiden Folgen, die für meinen Geschmack dann doch zu kitschig geraten sind, ist das sehr gut gemachtes, kommerzielles Mainstream-Entertainment, was zwar keine besondere Tiefe hat, dafür aber spannend und interessant genug ist, um einen bei Stange zu halten.

In diesem Sinne: “DANGER, Will Robinson“

7,5/10 Goldblums

Ricarda sagt:

Netflix hat sich, wie man es gewohnt ist, auf jeden Fall nicht lumpen lassen und hier ein dickes Budget locker gemacht. Visuell weiß LOST IN SPACE zu beeindrucken. Der Planet, dessen Flora und Fauna und natürlich auch die SciFi gemäße Technologie sehen fantastisch und glaubwürdig aus.

Und auch der Cast ist überwiegend sympathisch. Toby Stephens (Black Sails) als Familienvater John, Molly Parker (House of Cards) als Mutter Maureen und mit Taylor Russell, Mina Sundwall und Maxwell Jenkins drei richtig gute Jungdarsteller. Einzig Parker Posey als Dr. Smith ist eine eher gewöhnungsbedürftige Besetzung. Das mag am ihr zugeschriebenen Charakter liegen, aber ihr Schauspiel wirkt stets übertrieben und aufgesetzt und damit stinkt sie sogar gegen den 12-jährigen Jenkins ab, welcher den jüngsten Robinson, Will, spielt.

Storytechnisch dümpelt die erste Staffel von LOST IN SPACE irgendwo zwischen Problem-of-the-week und übergreifendem Plot herum. Es wird einiges an Potential aufgebaut, aber leider auch teilweise dann nicht genutzt.

So ist einer der interessantesten Aspekte des Reboots wohl dessen Anpassung an die heutige Zeit: Judy Robinson ist gemischter Ethnie und stammt aus einer vorherigen Beziehung von Mama Maureen. Die Robinsons sind keine homogene Bilderbuchfamilie mehr sondern moderner Patchwork. Oder auch nicht, denn eigentlich sind sich Maureen und John Robinson nach dessen militärischen Einsätzen und einiger ehelicher Altlasten nicht mehr ganz knusper. Sowas war in den 60ern im TV natürlich undenkbar. Auch, dass die Rolle des Bösewichtes „Dr. Smith“ hier an eine Frau ging malt alles in allem ein moderneres Gesamtbild.

Vor diesem kontemporären Hintergrund hätte man nun sehr gut auch etwas in die soziopolitische Tiefe gehen können und, beispielsweise, auf das Auswahl- und Prüfverfahren für die Kolonisten eingehen. Die Thematik wird angeschnitten, da nicht alle Akteure wirklich offiziell da sein dürften wo wir sie in der Serie sehen. Ich hätte mich aber gefreut auch zu sehen wie es denen erging die zurückbleiben mussten. Was dieses elitäre Verfahren, eventuell, auf der Erde für Aufstände ausgelöst hat.

An einer Stelle erklärt Maureen Robinson ihren Kindern wie toll es auf Alpha Centauri für sie wird. Sie könnten eine völlig neue Welt erschaffen, frei von Kriegen, Mord und Totschlag – ein wahres Utopia also. Diese Aussage empfand ich als vollkommen idiotisch und irreführend für die anwesende Jugend. Als würde man die Kriege und den Mord nicht mit den Menschen mit sich führen. Aber vielleicht sprach da auch unterbewusst der Gedanke aus ihr, dass nur die „guten“, die „reichen“ und „ehrbaren“ Menschen mitreisen durften.

Hier liegt auf jeden Fall noch einiges an Potential welches Netflix gerne in Staffel 2 aufgreifen darf! Auch im eigentlich wichtigen Bereich der Serie, dem Science Fiction, sehe ich noch spannendes Entwicklungspotential. Es gibt da ja grenzenlose Möglichkeiten auf was für Planeten die Robinsons als nächstes stranden könnten. Und auch das Mysterium des Roboters, der hier außerirdischer Natur ist, könnte noch spannend werden.

Ich habe mich gut unterhalten gefühlt, die Serie ist schön anzusehen und ich denke da kann man noch einiges mit machen!

Mein Fazit: 7 von 10 Punkten

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.