Bewertung des Filmes „Die Verlegerin“

Bevor ich nachfolgend meine Bewertung zum Film abgebe, hier eine Zusammenfassung des Inhaltes:

1971 steht mit Katharine „Kay“ Graham (Meryl Streep) eine Frau an der Spitze des Verlags, der die renommierte „Washington Post“ herausbringt.

Als erste weibliche Zeitungsverlegerin der USA hat Kay ohnehin keinen leichten Stand, außerdem steht die Zeitung kurz vor dem Börsengang – brisant wird es, als Chefredakteur Ben Bradlee (Tom Hanks) über einen gigantischen Vertuschungsskandal („Pentagon Papiere“) im Weißen Haus berichten will, in den allein vier US-Präsidenten verwickelt sind.

In einem nervenzerreißenden Kampf für die Pressefreiheit riskieren Kay und Ben ihre Karrieren und die Zukunft der Zeitung – ihr mächtigster Gegner ist dabei die US-Regierung.

Hier gehts zum deutschen Trailer:

Im Folgenden meine Bewertung des Filmes:

Ob der Aktualität des Themas in Zeiten von Trump & Fake News, hat Spielberg den Turbo angeworfen, zwischen Lesen des Drehbuchs und Veröffentlichung des Filmes, liegen gerade einmal 9 Monate.

Hinzu kommt, dass sich Altmeister Spielberg zeitgleich in den letzten Zügen der Postproduktion für den Ende März erscheinenden SciFi Film „Ready Player One“ befand, was ihn aber nicht davon abhielt, dessen Produktion zu unterbrechen und „The Post“ zu drehen.

Und genau, diese Geschwindigkeit wirft die Frage auf, ob sie dem Film nicht eher ein wenig geschadet als genutzt hat.

Vorangegangene Spielberg Filme wie „München“ und „Lincoln“, die ebenfalls historische Ereignisse zum Thema hatten, verdienen ihre Aussage, füllen sie aus, anstatt sie, wie bei „The Post“,  einfach nur „zu machen“.

Im Interview mit der Vanity Fair, erklärt der Drehbuchautor Josh Singer die Motivation von Steven Spielberg:

“Steven basically said, ‘Look, the reason I’m gonna get this up this year is because I haven’t said anything about Trump. This is my way to respond to what’s going on.’ ”

Es ist förmlich zu spüren, wie wichtig es für Spielberg war, eine Art Stellungnahme abzugeben.

Die Parallelen zu Trumps aktuellen Umgang mit der Presse waren letztlich das Argument für das Drehbuch und brachten Spielberg dazu, den Helm – und Streep & Hanks dazu, die Hauptrollen zu übernehmen.

Kommen wir nun zu dem Aspekt, der den Film trotz weiter oben beschriebener Dissonanzen aus dem guten Mittelmaß hervorhebt: dem großartigen Schauspiel Ensemble.

Jedes Mal, wenn der Film in Gefahr gerät, ins pure, anmaßende Melodram abzurutschen, reißt einer der Darsteller ihn durch seine Qualität wieder raus.

Allen voran Meryl Streep und Tom Hanks, die beide jeweils eine der besten Leistungen ihrer gesamten Karriere abliefern.

Meryl Streep dabei zuzuschauen. wie sie mit einer winzigen Kopfbewegung nebst Augenbraue hochziehen und einmal leise seufzen, drei Emotionen auf einmal darstellen kann, ist beeindruckend.

Ich denke, es wird ein hartes Oscar-Rennen zwischen ihr und Frances McDormand  („3 Billboards outside Epping, Missouri“).

Auch der Rest der illustren Cast, in der sich u.a. Schauspieler Bob Odenkirk, Jesse Plemons, Sarah Paulson, Bradley Whitford und Alison Brie befinden, ist blendend aufgelegt.

„The Post“ ist auf hohem Niveau gemachtes Geschichtenkino, das in keiner Minute schwerfällig wirkt, oder moralisierend daherkommt, was zu einem nicht unerheblichen Teil an den beiden Drehbuchautoren Liz Hannah und Spotlight-Oscar-Gewinner Josh Singer liegt.

Clever außerdem, dass Spielberg die Originaltonaufnahmen von Nixon verwendet, um dem Material noch mehr Authentizität zu verleihen. Außerdem hat der Film die richtige Länge und wird von John Williams Soundtrack passend untermalt.

Fazit: Klassischer Spielberg, Erzählkino mit First Class Darstellern und einem Thema das aktueller nicht sein kann

8/10 Goldblums

Fotos: © Universal Pictures

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