CHAOS-QUEENS: Herzkino – Hat die klassische Beziehung ausgedient? Interview mit Markus Ernst

Sie zweifeln, hadern und straucheln. Die Chaos-Queens sind keine omnipotenten Superweiber, aber sie finden stets eine Lösung für ihre Misere – und zwar eine, mit der niemand gerechnet hat. Mit „Ehebrecher und andere Unschuldslämmer“ am Sonntag, 18. Februar 2018, 20.15 Uhr, und „Lügen, die von Herzen kommen“ am Sonntag, 25. Februar 2018, 20.15 Uhr, zeigt das ZDF-Herzkino zwei neue Filme, die auf Romanen von Bestseller-Autorin Kerstin Gier basieren.

Wir haben die Möglichkeit gehabt mit Diplom-Psychologe Markus Ernst über Dating und Beziehungsfähigkeit zu sprechen…

 

Erzählen Sie uns kurz, was können wir uns unter einem psychologischen Gutachter für die Dating-Plattform Parship vorstellen?

Die Beschreibung stimmt nicht ganz: ich bin seit ca. 10 Jahren für Parship tätig, parallel dazu auch noch als psychologischer Gutachter (in einem ganz anderen Bereich) und im TV (SAT.1) als Experte in der Sendung „Hochzeit a. d. ersten Blick“.

Für Parship biete ich u.a. zweimal in der Woche eine telefonische Sprechstunde an – unsere Mitglieder können mit mir hier über alle Fragen rund um die (Online)Partnersuche und Beziehungsgestaltung sprechen. Ich liebe diese Arbeit, weil es immer wieder aufs Neue eine Herausforderung, Menschen auf dem Weg zum großen Glück zu unterstützen.

Was genau, macht uns Single-Ladies beim Dating zu CHAOS QUEENS?

Männer und Frauen haben unterschiedliche Herangehensweisen bei der Suche nach der Liebe. Frauen sind oft emotionaler und mit mehr Empathie dabei, wollen es dem Gegenüber und auch dem Umfeld möglichst recht machen. Darin schlummert auch die Gefahr, sich selbst zu verlieren und lange die eigenen Bedürfnisse gar nicht wahrzunehmen bzw. hinten anzustellen.

Wer Single ist, muss sich heutzutage mit Begriffen wie: Ghosting, Benching, Submarining auseinandersetzen. Wie erklären Sie diese Phänomene?

Diese Phänomene gab es wahrscheinlich immer schon, durch die Möglichkeit, online und zunächst anonym auf Partnersuche gehen zu können, haben sie sich verstärkt und schließlich einen Namen bekommen. Letztlich stehen sie für die negative Seite einer wahrgenommenen Unverbindlichkeit – beobachtbar sind diese Verhaltensweisen v.a. bei Personen, die sich nicht auf einen Menschen einlassen können/wollen und einem gewissen Optimierungswahn unterliegen.

Auf der Suche nach The One . Glauben Sie, dass es den einen richtigen Partner gibt, oder ist es nicht vielmehr eine Entscheidung, ein sich Einlassen auf die Person die man mag, auch wenn nicht alles hundertprozentig passt?

Um den passenden Partner zu finden, muss ich mich zunächst grundsätzlich auf einen Menschen einlassen können und mich selbst kennen. Ich sollte eine Idee haben, was mir wichtig ist in einer Beziehung, welche Werte ich leben will. Eine gute Basis für eine Partnerschaft ist ein Gemisch aus Gemeinsamkeiten und Unterschieden in bestimmten Bereichen. Bestimmt gibt es nicht nur die eine mögliche Person, mit der ich perfekt matche.

Man bekommt den Eindruck, dass Männer sich weniger auf eine neue Partnerin einlassen wollen. Liegt das Ihrer Erfahrung nach an den unzähligen Möglichkeiten die besonders durch Dating-Apps vorhanden sind, oder sind sie tatsächlich so geprägt von schlechten Erfahrungen, dass es eine erneute Bindung erschwert?

Ich kann hier bei meiner Arbeit keinen signifikanten geschlechtsspezifischen Unterschied feststellen. Es gibt sowohl Männer, aber auch Frauen, die aus den unterschiedlichsten Gründen Schwierigkeiten haben, sich auf eine Beziehung einzulassen. Manchmal sind es negative Vorerfahrungen, die zu einer Bindungsangst geführt haben, manchmal auch die pure Sorge, sich durch Verbindlichkeit andere Chancen zu nehmen.

Apropos Bindung. Ein großes Thema ist die Beziehungsangst oder die Liebessucht. Wie wichtig finden Sie es, dass wir unser eigenes Bindungsverhalten kennen?

Das ist sehr wichtig. Nur wenn ich weiß, wie ich selbst in einer Beziehung ticke, welche Verhaltensmuster ich in der Vergangenheit gelebt habe und wo meine Stärken und Defizite liegen, kann ich auch aktiv an mir arbeiten und mich entwickeln.

Ist das Modell der „offenen Beziehung“ für Sie das Beziehungsmodell der Zukunft?

Jeder Mensch muss das für ihn passende Beziehungsmodell finden. Solange ich keinem anderen damit schade, spricht nichts dagegen. Dennoch bin ich mir sicher, dass die „klassische“ Beziehung auch in Zukunft auf Platz 1 stehen wird. Die Mehrzahl der Menschen wünscht sich Exklusivität in der Partnerschaft und sieht dies als Basis für größtmögliches Vertrauen an. Im Gegenteil: je unsicherer die Welt um uns herum wird, desto größer die Sehnsucht nach der einen Liebe.

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