Filmkritik: „100 Dinge“ mit Fitz und Schweighöfer

Vor der Filmkritik kommt der Kurzinhalt:

Toni (Schweighöfer) liebt seine Espressomaschine, Paul (Fitz) sein Handy. Toni kann nicht ohne Haarpillen, Paul nicht ohne seine heiligen Sneakers.

Aber vor allem kann Paul nicht ohne Toni und Toni nicht ohne Paul.

Aber das wissen sie nicht, denn bisher ging es immer darum, wer besser oder cooler ist und das haben sie nun davon:

Jetzt sitzen sie da, ohne Möbel, ohne Kleidung, nackt und verfroren. Und das ist erst Tag eins!

100 Tage, haben sie gewettet, müssen sie auf alles verzichten. Jeden Tag kommt nur ein Gegenstand zurück.

Und schon verheddern sie sich in Fragen, die ihnen vorher nie gekommen sind:

Was braucht man wirklich? Besitzen wir unsere Dinge oder unsere Dinge uns?

Bevor wir zu Filmkritik kommen, der Trailer:

Hier nun unsere Filmkritik:

Ende 2011 las ich einen Artikel eines Wissenschaftlers, der die These vertrat: Jeder Europäer, besitzt Minimum 10.000 Dinge. Ich war erst einmal geschockt, weil mir die Zahl unglaublich hoch vorkam.

Also beschloss ich, die Zahl mit Fakten zu füllen und begann meinen gesamten Besitz zu zählen.

Am Ende der wochenlangen Zählerei standen dann 3.045 Dinge. Eine Zahl, die angesichts der vorgenannten 10.000der Hausnummer, eher moderat anmutet.

Ich muss allerdings vorausschicken, daß, seit 1998 vom Buch „Fight Club“ inspiriert, mein persönliches Downsizing bereits aktiv im Prozess war.

Ich beschloss also Anfang 2012, zu versuchen, meine knapp 3.000 Dinge im Laufe der nächsten Jahre auf 1.000 Dinge zu reduzieren. Begleitend dazu schrieb ich meinen ersten Blog: My1000things.

Um’s vorweg zu schicken: Es ist mir bis heute, 8 Jahre später, noch nicht in Gänze gelungen. Aktuell stehe ich bei ca. 1.900 Dingen.

Warum erzähle ich das ?

Weil ich, was die Filmkritik angeht, in einem Dilemma stecke.

„100 Dinge“ ist gut gemeint und nett gemachte Unterhaltung, aber für mich, eben weil ich mich mit dem Thema Konsum & Auswirkungen auf Umwelt, Tier und Mensch schon seit fast 20 Jahren intensiv beschäftige, nicht mehr.
Oder sagen wir eher, zu wenig.

Das geht mir beim Film eben nicht weit genug, es bleibt, bis auf ganz wenige Momente an der Oberfläche.

Das Beurteilen des Filmes steht und fällt für mich mit der Entwicklung, die der jeweilige Zuschauer bereits in seinem Leben zu dem Thema genommen hat.

Bist Du Neuling, der gerade erst begonnen hat, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, dann kriegst Du hier die eine oder andere erste Anregung.

Bist Du jemand, der sich und seinen Konsum bereits hinterfragt, dann wirst du an der einen oder anderen Stelle schmunzeln, weil Du Dich und Deine Erlebnisse sicherlich wiedererkennst.

Bist Du, wie ich, quasi schon am Ende der Gedankenspiele und bist aktiv dabei, Dein Leben im wahrsten Sinne zu „entrümpeln“, dann entlockt dir der Film ein müdes Lächeln und das auch nur wegen der großartigen Damen Thalbach und Elstner.

Durch Industrialisierung und Massenkonsum hervorgerufene Umweltbelastung- und Zerstörung, sind zwei unserer zentralen Themen auf diesem Planeten.

„Gehören die Dinge Dir oder gehörst du den Dingen“, die Kernaussage von Fight Club.

Klar könnte man jetzt das Totschlagsargument bringen: Tiefe überlassen wir den Dokumentarfilmern.

Ich halte diese Argumentation allerdings für feige, denn sie funzt bei der Wichtigkeit dieses Themas einfach nicht.

Wir leben in einer Zeit, in der die weitergehenden Fragen des hier im Film angekratzten Themas dringend gestellt werden müssen, denn die Folgen sind imminent.

  • Welche Leere in meiner Seele deckt Kaufen zu?
  • Ruft mein Konsumverhalten Schäden an Umwelt und Tierwelt hervor?
  • Welche Folgen hat mein Konsumverhalten in den Ländern, aus denen die Waren kommen?
  • Ermöglicht mein Konsumverhalten Lohndumping und Sklaverei?
  • Ermöglicht mein Konsumverhalten veränderte politische Landschaften in den Herstellungsländern?
  • Ermöglicht mein Konsumverhalten Ausbeutung von Umwelt und Tier?

Fast keine dieser Fragen stellt der Film: Das ist für mich eine vertane Chance und letztlich zu wenig.

Wenn man schon, wie bei Schweighöfer & Fitz der Fall, über eine so große Fangemeinde verfügt:, warum nutzt man diese Bühne nicht nachhaltiger, um auf ein existentielles Thema unserer Zeit aufmerksam zu machen?

Fazit: Gut gemeinte Konsumkritik, die leider nicht in die Tiefe geht, sondern grad mal an der Oberfläche kratzt. Ich geh dann lieber zum gefühlt 100. Mal Fight Club gucken. Daher:

7/10 Goldblums für den reinen Entertainment Faktor
3/10 Goldblums für fehlenden Anspruch, Ernsthaftigkeit und Mut

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