Von Beate Geibel

Kurzinhalt

Selbst fünf Jahrzehnte nach dem mysteriösen und bis heute unaufgeklärten Mord an der Nonne Cathy Cesnik in Baltimore werden noch immer erschreckende, schmerzliche Geheimnisse enthüllt: Regisseur Ryan White (“The Case Against 8″, “Good Ol‘ Freda”) hat mit THE KEEPERS eine fesselnde Dokuserie erschaffen, welche über die Hintergründe von Mord und Missbrauch aufklärt und von der unermüdlichen Aufklärungsarbeit zweier pensionierter Frauen berichtet, die sich dieses düsteren Kriminalfalls angenommen haben. 

Fazit

Auch diese neue Doku-Serie von Netflix basiert, wie bereits “How to make a murderer” auf einer wahren Begebenheit – um genau zu sein: auf Begebenheiten, die sich im Umfeld eines Mordes an einer jungen Nonne seit dem Jahr 1969 ereignet haben, mit dem die Serie in der ersten Folge beginnt.

Im Unterscheid zu “How to make a murderer” – denn der Vergleich drängt sich sofort auf – arbeitet Regisseur Ryan White bei “The Keepers” mit wesentlich mehr empathischer Tiefe, mehr Detailgenauigkeit und über Jahrzehnte recherchierten, mehrfach belegten Fakten. Das schiere Ausmaß der Taten, das weitreichende Hierarchie-Gebilde des religiösen Patriarchats und einiger Exekutiven des Staates, ist immens und in seiner menschenverachtenden Handlungsweise kaum zu begreifen.

Mit jeder neuen Figur, unter der sich Zeitzeugen, aber vor allem Betroffene befinden, die interviewt wurde, entwickelte sich ein weiterer kleiner Baustein, eine zusätzliche Schicht und verdichtet sich so zu einer spannenden wie verstörenden Geschichte. Der Inhalt übte dabei eine gar seltsame Faszination auf mich aus. Ich schwankte ab Folge 2 ständig zwischen “ich muss jetzt sofort wissen wie es weitergeht” und “am liebsten will ich gar nichts mehr wissen”. Denn das Erzählte widert mich so sehr an, dass ich, mit geballter Faust in der Tasche, abbrechen musste, um mich wieder zu beruhigen.

Die Choreografie der Serie ist clever, besitzt doch jede Folge einen Cliffhanger, der verlangt, sofort die nächste Folge zu schauen. Beeindruckt hat mich, neben den beiden privaten Ermittlerinnen, die mit ihrer unermüdlichen Geduld im Zusammentragen der Puzzleteile dieser tragischen Geschichte um sexuelle Übergriffe, psychische Manipulationen, Amts- und Machtmissbrauch, die Ermittlungen erst ins Rollen gebracht haben. Vor allem “Jane Doe”, die als erste den Mut fand, über das, was ihr da als junges Mädchen widerfahren ist, öffentlich zu sprechen.

Fazit: Ein mehr als würdiger Nachfolger zu “How to make a murderer”, weil insgesamt noch besser. 10/10 Punkten

Die siebenteilige Dokuserie THE KEEPERS startet am 19. Mai 2017 exklusiv auf NETFLIX.

Leave a Reply