Review zum Film RAUS (farbfilm verleih)

Nochmal ganz von vorn anfangen, mitten im Wald und fernab unserer Gesellschaft? Rebellieren und einfach alles hinter sich lassen? In Philipp Hirschs Kino-Spielfilmdebüt RAUS ist der Name des Filmes Programm. Seine Protagonisten wollen raus! Der spannende Gesellschaftsaussteigerfilm startet heute in den deutschen Kinos. Wir waren für euch bei der Premiere in Leipzig.

Zum Inhalt

Glocke (Matti Schmidt-Schaller) versucht sich als Aktivist – gegen Kapitalismus und Ungerechtigkeit in der Welt, für Naturschutz und gegen Tierversuche. Doch eigentlich geht es ihm darum, ein Mädchen zu beeindrucken. So auch, als er einen protzigen Luxuswagen anzündet … Leider wird Glocke dabei erwischt und gefilmt. Er kann fliehen, aber sein Bild geht schon durch die Medien.

Spontan schließt er sich einer Gruppe Fremder an, die sich im Netz verabredet haben. Sie folgen dem Ruf eines Unbekannten, der in den Bergen lebt und in der Rückbesinnung zur Natur den Weg in die Zukunft sieht. Sie alle wollen die Welt zu einem besseren Ort machen und tragen doch ein Geheimnis mit sich, möchten ihre Vergangenheit hinter sich lassen und aus dem System ausbrechen. Das ist ihr Ziel. Zunächst erleben die jungen Rebellen Glocke, Judith (Milena Tscharntke), Steffi (Matilda Merkel), Elias (Tom Gronau) und Paule (Enno Trebs) Tage der Freiheit und des Glücks. Doch dann wendet sich das Blatt …

„Unsere Welt ist am Arsch, weil die Falschen am Drücker sind!“

Review

Ich bin zugegebenermaßen kein großer Fan deutscher Filme – meist irgendwie alles zu Klischeebelastet, zu sehr entweder Tatort oder Rosamunde Pilcher – oder gleich RTL-Niveau. Naja irgend sowas. RAUS reizte mich jedoch, da es doch mal eine Geschichte aufgreift, die zwar nun keine völlig neue ist, aber trotzdem irgendwie genau am Zahn der Zeit und irgendwie greifbar. Ob es nun der böse Kapitalismus ist oder die politische Lage – es gibt viele Gründe aktuell RAUS zu wollen. Am besten sieht man eh keine Nachrichten, geht ja eh alles nur den Bach runter. Warum also nicht mal selbst den Bach runter gehen, buchstäblich?

Diese Sentimentalität ist für mich nicht ausschließlich ein Jugendphänomen. Auch Erwachsene jeden Alters entfliehen gerne den Alltag mittels reisen, wandern, pilgern – mal länger, mal kürzer. Einen kompletten Ausstieg, für immer aber? Das wäre mal ein krasser Schritt. Ich könnte es nicht und bin dazu zu bodenständig. Ich weiß, dass es mal großartig ist für einen Monat kein Handy zu haben und sich nur ums hier und jetzt zu kümmern, aber ich genieße den Luxus der Zivilisation doch zu sehr.

Der Film RAUS greift diese jugendliche Ungestümtheit, mit der die Protagonisten aber genau solch einen Schritt waren sehr gut auf. Jeder von ihnen ist dabei vielschichtig und kein Klischee. Jeder hat seine Zweifel aber auch seine Gründe für den Schritt. Die Darsteller wirken echt und glaubwürdig und man geniest die Neuentdeckung der Natur mit ihnen. Back to the basics, auch ohne Zelt überm Kopf.

In schönen und szenisch ansprechenden Bildern ist RAUS ein kleiner Ausstieg aus dem Alltag und lässt im Zweifelsfall wenigstens über den nächsten Urlaub nachdenken. Erstmal den ganzen Murks hinter sich lassen.

Fazit: 8 von 10 Punkten

Hier noch ein paar Eindrücke der Premiere in Leipzig, am 16.1.2019:

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