REVIEW zum Oscarnominierten Film CAN YOU EVER FORGIVE ME?

Worum geht’s in CAN YOU EVER FORGIVE ME?

Melissa McCarthy spielt die Hauptrolle in der Filmadaption der Memoiren CAN YOU EVER FORGIVE ME? Sie beruht auf der wahren Geschichte der bekannten Prominenten-Biographin (und Katzenfreundin) Lee Israel (Melissa McCarthy), die in den 1970er und 80er Jahren in New York ihren Lebensunterhalt mit dem Schreiben von Portraits und Biographien von Prominenten wie Katherine Hepburn, Tallulah Bankhead, Estée Lauder und der Journalistin Dorothy Kilgallan verdiente. Als Lees Werke nicht mehr veröffentlicht werden, da sie den zeitgemäßen Publikumsgeschmack nicht mehr trifft, wendet sie ihre Kunstform der Täuschung zu, angestiftet durch ihren loyalen Freund Jack (Richard E. Grant).

Hier könnt Ihr einen Blick auf den Trailer werfen:

Wer zum Teufel ist Lee Israel?

Niemand kauft Lee Israel-Briefe“, sagt Jack Hocks zu seiner besten Freundin Lee Israel in der Literaturverfilmung.

Und trotzdem sitze ich im Kino und schaue mir einen Film über Lee Israel an. Eine Frau, die mir davor völlig unbekannt war. Melissa McCarthy spielt mit – und der Film hat drei Oscar-Nominierungen. Damit zieht’s mich bereits ins Kino. Und geboten bekomme ich nicht nur einen Movie über eine Unbekannte, sondern dazu noch einen schönen.

Der Film basiert auf den Memoiren von Lee Israel mit dem Titel CAN YOU EVER FORGIVE ME? aus dem Jahr 2008. Die Schriftstellerin porträtierte im November 1967 in einer Ausgabe von Esquire die Schauspielerin Katharine Hepburn, die sie kurz vor dem Tod ihres Partners Spencer Tracy besucht hatte. Später veröffentlichte sie Biografien über die Schauspielerin Tallulah Bankhead, die Journalistin und Moderatorin Dorothy Kilgallen und über Kosmetik-Tycoon Estée Lauder. Lee Israel landet damals sogar auf der Bestsellerliste der New York Times. 

Aber für literarische Karrieren gibt es keine Garantie – auch nicht, wenn sie zwei oder drei Erfolge verbuchen. Und so beginnt Lee Israels Geschichte in CAN YOU EVER FORGIVE ME? als Frau mittleren Alters, die nicht nur ein Alkohol-Problem hat sondern auch mittellos und verbittert förmlich am Hungertuch nagt – und sich nur mit kriminellen Handlungen über Wasser zu halten weiß. 

Ein schöner aber irgendwie schwerer Film

Keine geringere als Melissa McCarthy spielt die Rolle der Lee Israel. Eine Rolle, die von ihrer allzu bekannten Klamauk-Darbietungen vollkommen abweicht. Mit Mut zur Hässlichkeit und beeindruckender Mimik spielt sie einen lebensenttäuschten und ewig schimpfenden Charakter mit dem sich der Mainstream ganz sicher nicht identifizieren werden kann. Oder gar mit ihm wirklich mitfühlen wird. Denn trotz Lees leidenschaftlicher Hingabe für ihre Katze fühlt sie nur Verachtung für die meisten Menschen – ein Resultat aus Erfahrungen mit Menschen, die sie in der Vergangenheit enttäuscht haben, die ihr zu nahe gekommen sind – oder ihre literarische Karriere behindert haben. 

In einer Szene gibt sie ein Versprechen auf Alkohol zu verzichten, gefolgt von einem Shot wie sie sich in einer Bar betrinkt und kichernd darüber spottet, wie komisch es wäre, einen fragilen Krebspatienten zu Fall zu bringen. So wird Lee Israel porträtiert: Alles andere als ein netter Mensch – und trotzdem amüsant und irgendwie liebenswürdig. Melissa McCarthy versteht es mit ihrem perfekten Spiel zu zeigen, dass Lees unangenehme schlechte Laune und brutale Unhöflichkeit einfach nur Symptome ihrer Existenzängste waren.

Es wundert nicht, dass CAN YOU EVER FORGIVE ME? dieses Jahr mit drei Nominierungen ins Oscar-Rennen geht  – darunter ist auch Melissa McCarthy als beste Hauptdarstellerin nominiert. Und das adaptierte Drehbuch könnte auch eine goldene Statue absahnen – sowie zuletzt auch… 

Der ewige Nebendarsteller

Es gibt Schauspieler, die im Laufe ihrer Karriere in sehr vielen Filmen und Serien mitgewirkt haben – aber es nie wirklich zu einer durchschlagender Hauptrolle geschafft haben. Meines Erachtens ist es bei Richard E. Grant so. Man sieht ihn und denkt sich: 

„Den kenne ich doch. Aber woher?“

Auf IMDB sind 127 Einträge für Richard als Darsteller protokolliert. Er hat in namhaften Filmen wie „Die Eiserne Lady“, „Gosford Park“ oder „Logan: The Wolverine“ mitgewirkt – aber auch aus Hit-Serien wie „Game of Thrones, „Downton Abbey“ und „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ können wir ihn in Erinnerung haben.

In CAN YOU EVER FORGIVE ME? brilliert der ewige Nebendarsteller – und steht der wunderbaren Melissa McCarthy tatsächlich in Nichts nach. Im Gegenteil: unfassbar einfühlsam, frech, mutig porträtiert der 61-Jährige die Rolle von Lees besten Freund und Trink-Kumpanen – und wird verdient mit einer Oscar-Nominierung bedacht. Der in Swasiland geborene und aufgewachsene Darsteller ist 2019 als „Bester Nebendarsteller“ nominiert. 

Für Richard E. Grant ist es ganz offensichtlich der größte Erfolg seiner bisherigen Karriere. Auf Instagram veröffentlicht er ein Video in dem er überwältigt von den Gefühlen ist! Aber seht selbst:

Von Sentimentalität keine Spur!

Gerüchten zu Folge starb Lee Israel 2014 mit dem Wissen, dass ihre Geschichte für die große Leinwand entwickelt werden würde. Sie soll nur einen Wunsch gehabt haben:

„Machen Sie es nicht zu sentimental.“

Der Wunsch wurde erfüllt! 

Für mich ist CAN YOU EVER FORGIVE ME? eine smarte, einfühlsam inszenierte Filmadaption der Memoiren von Lee Israel. Es ist ein Film, der uns mit auf eine Gefühlsreise mitnimmt. Ein Film, der berührt und amüsiert und trotz allem eine unfassbare Schwere hinterlässt – und wirklich alles andere als sentimental ist!

Fazit: Von mir gibt’s 9 von 10 Punkten! Bravo!

Regie: Marielle Heller  / Produzenten: Anne Carey, Amy Nauiokas, David Yarnell
Drehbuch: Nicole Holofcener, Jeff Whitty / Basierend auf den Memoiren von Lee Israel
Cast: Melissa McCarthy, Richard E. Grant, Dolly Wells, Jane Curtin, Ben Falcone, Anna Deavere Smith, Stephen Spinella

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