“Tangerine Dream ist Science Fiction!” – Edgar Froese

Mit seiner Band Tangerine Dream war Edgar Froese, Pionier der elektronischen Musik, auf einer lebenslangen Suche nach dem ultimativen Sound. Die Band erschaffte Klangwelten, die den Hörer in andere Sphären katapultierten und das Bewusstsein auch ohne Drogen erweiterten. Er verarbeitete Herzschläge und Atemlaute, experimentierte mit Synthesizern und Geräuschen, die NASA und ESA im All fanden. Edgar Froese verbannte klassische Instrumente von der Bühne und machte altargroßen Moogs und Synthesizern Platz, mit denen Tangerine Dream spektakuläre Bühnenshows vor Hunderttausenden in aller Welt inszenierten.

Der Film ist als Dokumentation der Bandgeschichte aufgebaut, die untrennbar mit der Biographie von Edgar Froese verbunden ist und den Zuschauer gleichzeitig die Geburtsstunde der elektronischen Musik näher bringt. Edgar Froese selbst wird im Film zum Erzähler post mortem (Sprecher: Alexander Hacke). Mit Zitaten aus seiner Autobiografie führt er den Zuschauer durch die Dokumentation. Regisseurin Margarete Kreuzer selbst hatte vor dem überraschenden Tod von Edgar Froese im Januar 2015 mehrere Interviews mit ihm führen können, die in den Film eingeflossen sind. Der Film zeigt bisher unveröffentlichte Filmaufnahmen, beginnend in den frühen 60er Jahren bis heute, die vom Bandleader persönlich und seinem engen Umfeld gedreht wurden. Erstmals entstehen dadurch Einblicke in die Band hinter den Kulissen, sowohl auf Touren in Europa und Amerika als auch beim Fotoshooting mit Jim Rakete oder beim Urlaub am Meer. Die Suche nach dem “ultimativen Sound” stellt den Roten Faden dar, der sich durch die gesamte Dokumentation zieht.

Aus Sicht eines Kindes, das kurz vor dem Mauerfall in Westdeutschland auf die Welt kam, ist diese Dokumentation beeindruckend. Sie zeigt einmalige Aufnahmen von Berlin, London, Los Angeles uvm. aus mehreren Jahrzehnten, aus der Sicht eines deutschen Musikpioniers. Gekonnt erzählt und dramaturgisch aufgebaut, lernt man die Band Tangerine Dream und ihren Leader Edgar Froese kennen und entwickelt selbst eine Neugierde, was mit elektronischem Sound noch möglich sein könnte. Es stellte sich ein tiefes Verständnis für Edgar Froese ein, der getrieben von seiner Suche bis zu seinem Tod immer neue Ansätze ausprobierte, mit immer wieder unterschiedlicher Band Besetzung. Die Sichtung der über 300 Stunden privatem Videomaterial und anschließende Anordnung in einer dramaturgisch sinnvollen Reihenfolge verdient Respekt. Gleichzeitig macht das gezeigte Material und die verwendeten Ausschnitte der Musik von Tangerine Dream neugierig auf ihre Alben. Die Band Tangerine Dream macht in ihrer aktuellen Besetzung weiter. Edgar Froese hat ihnen Material, Ideen und Konzepte hinterlassen, die sie nun in die Tat umsetzen.

Fazit: Sehr sehenswerte Dokumentation! Nicht nur für Wegbegleiter und Fans der Band, sondern auch Neulinge in der Welt der elektronischen Musik.

9 von 10 Punkten

DIE PREMIERE IN BERLIN

“Mit Tangerine Dream – Revolution of Sound” startet am 7. September 2017 endlich die Dokumentation über die Band um Edgar Froese in den Kinos, nachdem die Premiere bereits bei der Berlinale 2017 stattfand. Unter Anwesenheit einiger Unterstützer der Crowdfunding Plattform kickstarter, die die Produktion des Films möglich gemacht hatten, der Regisseurin Margarete Kreuzer, dem Produzenten Gerd Haag und zwei Bandmitgliedern der aktuellen Besetzung, feierte der Film am Montag, 4. September 2017, die Kinopremiere im Babylon Kreuzberg. Mit viel Beifall wurde der Film vom Publikum belohnt. Man merkte, dass dies nicht die Premiere irgendeines Hollywood Streifens war, sondern für Viele im Publikum ein emotionaler Moment, der sie an der ein oder anderen Stelle im Film in ihre eigene Vergangenheit zurück zog. Während der Fragerunde im Anschluss an den Film konnte endlich geklärt werden: Tangerine Dream steht für “Manderinen Traum”.

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