Serien-Kritik: DEUTSCHLAND86 (Amazon Prime Original)

Darum geht’s in DEUTSCHLAND86

DEUTSCHLAND86 nimmt die Geschichte von Martin Rauch (Jonas Nay), seiner Tante Lenora (Maria Schrader) und ihrer Genossen von der HVA drei Jahre nach DEUTSCHLAND83 wieder auf. Von Moskau aufgegeben und hungrig nach Devisen, zwingt die ostdeutsche Führung ihre Agenten in kapitalistische Experimente in aller Welt, um das sinkende sozialistische Schiff zu retten. 1983 für seine Sünden nach Afrika verbannt, wird Martin nun zurück ins Feld geschickt. Dunkle Geschäfte und eine gefährliche Mission führen ihn nach Südafrika, Angola, Libyen, Paris, West-Berlin, und schließlich zurück in die DDR – wo er eine unmögliche Entscheidung fällen muss.

Zum Soundtrack internationaler Popmusik verläuft die Reise der Helden vor dem Hintergrund der Perestroika, schmutziger Stellvertreterkriege, des Kampfes gegen Apartheid in einem Jahr des Terrors in Westeuropa – und, zurück in der DDR, mit dem schleichenden Gefühl, dass das Ende nah sein könnte.

Hier ein Blick auf den Trailer:

Und nun zur Serien-Kritik:

Endlich nach vielen Jahren des erfolglosen Suchens nach guten Inhalten im deutschen Serien Niemandsland, 2015 dann ein erster Lichtblick: DEUTSCHLAND83.

Leider in Deutschland beim falschen Sender (RTL) platziert, dessen Publikum weder das Interesse, noch den Horizont für die eher spröde, langatmige Serie besaß. Daher fristete die Serie hierzulande eher ein Nischendasein, während sie vom englisch-sprachigen Ausland, respektive USA und England, als Wiederauferstehung des deutschen Fernsehens gefeiert wurde.

Ich erinnere mich noch gut an einen zweiseitigen Artikel im altehrwürdigen Guardian, in dem, in Bezug auf die Serie, von „Deutschland setzt Trends“ die Rede war.

Jetzt liegt also der Nachfolger DEUTSCHLAND86, endlich auf einem inhaltlich geeigneten Medium, der Streaming Plattform Amazon, vor. Die Serie setzt drei Jahre in der Zukunft mit einem Großteil der 83er Protagonisten in den Hauptrollen an.

Höher, schneller, weiter, scheint hier das Credo. Mehr Budget, beschleunigtes Tempo, buntere Bilder, komplexere Geschichten, was uns letztlich zum grössten Problem der Produktion führt: Überheblichkeit.

Mehr Geld ist eben nicht gleichzusetzen, mit besserer Qualität.

Klar macht das Ding hier mehr Krach, die Drehorte sind exotisch, farbenfroh und opulent, das Tempo treibt den Zuschauer an, nur bleibt leider zu oft die eigentliche Geschichte und die Entwicklung der Figuren an der Oberfläche und damit langfristig auf der Strecke.

Wo die Serie zu ihrer alten Stärke zurückfindet, ist in den kleinen Momenten, da ist sie wieder ganz bei sich, wie zum Beispiel die unfreiwillige Situationskomik beim Zwiegespräch zwischen dem ostdeutschen Ingenieur und Martin in der Raffinerie – oder in den schon absurd anmutenden Verzweiflungstaten des Handelsministeriums, ich sag nur „Das Traumschiff“.

Genau diese Momente sind es, in denen ich die Serie wieder als eigenständiges Tierchen wahrnehme, das die ihm entgegengebrachte Aufmerksamkeit auch verdient.

PS: Liebe deutsche Serienmacher, eine Serie für eine Streaming Plattform zu entwickeln heisst doch nicht zwangsläufig, das man möglichst auf die Kacke hauen und ansonsten rein an der Oberfläche bleiben muss. Hier wäre weniger oft mehr gewesen.

Und Musiktitel wie mit der Gießkanne ausschütten, egal ob der Titel zur jeweiligen Szene passt, funzt auch nicht.

Fazit: Unterhaltsam, aber ein bisschen verzettelt.

7,5 von 10 Punkten

HINTERGRUND

Deutschland86 ist eine Produktion von UFA FICTION in Zusammenarbeit mit Amazon, FremantleMedia International und UFA Distribution. Gefördert durch German Motion Picture Fund, Medienboard Berlin-Brandenburg, Creative Europe Media – MEDIA Programme of the European Union und Department of Trade and Industry South Africa, wurden die neuen Folgen in Berlin und Südafrika gedreht.

Premiere der zweiten Staffel: 
19. Oktober 2018 (deutsche Originalfassung)

Episodenanzahl: 
10 Episoden à 45 Minuten

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