TV-TIPP und INTERVIEW zu WACH – EIN FILM VON KIM FRANK

WACH – Das Spielfilmdebüt von Kim Frank ab dem 17.9. auf youtube und im ZDF

Das Regiedebüt von Kim Frank entstand im Auftrag vom ZDF- Das kleine Fernsehspiel und funk und wird am 17. September 2018 veröffentlicht. Es ist der erste deutsche Spielfilm, der im Fernsehen ausgestrahlt wird und parallel eine YouTube Premiere feiert

 

Die beiden Teenagerinnen C. (Jana McKinnon) und Nike (Alli Neumann) wagen ein ungewöhnliches Experiment und filmen sich dabei: Sie wollen so lang wie möglich ohne Schlaf auskommen – ganz ohne die Hilfe von Drogen oder anderen Mitteln. Sie wollen raus. Raus aus der Perspektivlosigkeit. Sie wollen sich spüren. Eine pure Erfahrung machen. Eine rauschhafte Reise durch 86 schlaflose Stunden beginnt. C. und Nike halten alles auf ihrer Kamera fest. Doch die Müdigkeit zwingt sie zurück in die Realität. Ein Ende, das gleichzeitig das Ende ihrer Jugend ist.

„WACH“ ist am Montag, 17. September 2018, um 20.00 Uhr, zuerst auf YouTube (über den Link go.funk.net/wach), in der ZDFmediathek und auf funk.net zu sehen. Das ZDF zeigt „WACH“ am selben Abend um 0.05 Uhr.

Mein Fazit :

WACH ist ein Film der WACHrüttelt. Was geschieht hier eigentlich mit der Generation, die doch eigentlich so voller Hoffnung sein sollte, aber am Druck der Gesellschaft und fehlender Liebe zu zerbrechen droht.

Kim Frank hat hier ein wirklich tolles Drehbuch geschrieben, die Figuren optimal besetzt. Die Kamera ist oft schnell, die Dialoge laut. Erzählt wird aus der Perspektive der Protagonistinnen.

Als Mutter packt mich etwas die Wut, wie es so weit kommen kann, dass junge Menschen sich so fühlen. Scheinbar leer. Alleingelassen.

Wenn laut Film die wichtigsten Fragen der Jugend sind, wieviel man wiegt, wieviele Follower man auf Instagram hat oder mit wem man Sex hat? Sex ohne Liebe ist schon normal geworden und sich selbst darzustellen ohne sich wirklich zu zeigen auch.

Wie lange die beiden Mädels es schaffen wach zu bleiben und was sie dabei erleben, lohnt sich anzuschauen. Für die angesprochene Generation selbst, für Eltern und alle die mit Kindern arbeiten. 7/10 Punkten

Auf ihrer Reise werden die Freundinnen Nike (Alli Neumann, l.) und C. (Jana McKinnon, r.) mit ihren Ängsten und Träumen konfrontiert.

 

„Du brauchst mindestens einen Erwachsenen, der dich verstehen will“ – Interview mit Jana McKinnon und Alli Neumann

Sie sind 19 und 20 Jahre alt. Man hat den Eindruck, Ihre Generation strebt danach, einen Beruf auszuüben, der gleichzeitig auch Berufung ist?

Alli Neumann:
Ich glaube, jungen Menschen hat schon immer die Idee widerstrebt, ihren Tag für etwas herzugeben, das sie nicht erfüllt. Heute gibt es angeblich tausend Möglichkeiten, sich selbst zu verwirklichen. Was cool ist, aber auch Druck aufbaut.
Jana McKinnon: Ich habe sehr früh mit der Schauspielerei angefangen, als ich fünf war, und habe mir mit 17 zum ersten Mal eine Auszeit von ihr gegönnt. Ein halbes Jahr lang habe ich gekellnert. Das hat mir richtig gut getan. Wenn man sich in seinem Beruf verwirklicht, nimmt man alles immer mit, überallhin.
Alli Neumann: Vermutlich geht das mittlerweile fast allen so, weil sich ja jeder auf die eine oder andere Weise produziert. Mindestens auf Facebook und Instagram.

Im Film sagt C. zum Thema Instagram, dass Likes zwar eine Sucht seien, aber immer noch besser, als sich kaputt zu saufen. Wie haben Facebook und Instagram Sie beim Erwachsenwerden beeinflusst?

Jana McKinnon: Bei Instagram bin ich nur für Freunde sichtbar, obwohl ich Schauspielerin bin, und es vermutlich nicht ganz blöd wäre, öffentlich auffindbar zu sein.
Alli Neumann: Ich versuche auch, nur Freunden und Künstlern zu folgen und ansonsten Zeitung zu lesen. Wenn ich unkontrolliert auf Instagram rumscrolle und die ganze Zeit mit diesen krassen Bodys und Gesichtern konfrontiert werde, merke ich direkt, wie ich in den nächsten Tagen hart mit mir ins Gericht gehe.
Jana McKinnon: Und dieses Vergleichen passiert ja automatisch, egal, wie reflektiert man ist. Man liegt auf der Couch, schaut Insta-Storys und ertappt sich plötzlich bei dem Gedanken: „Na toll, da wäre ich jetzt auch gerne.“ Obwohl man es gerade noch super fand, auf der Couch zu liegen.

Kommt Ihrer Meinung nach also daher der größte Druck für Jugendliche?

Jana McKinnon: Für mich kommt der Druck eher aus der Gesellschaft: sich zu verwirklichen, etwas Besonderes zu werden.
Alli Neumann: Die Botschaften verwirren einen. Von der Gesellschaft habe ich auf der einen Seite andauernd gehört: „Sei du selbst!“ Auf der anderen Seite aber, dass ich ein Haus brauche und gute Bildung. Das hat in meinem Kopf eher für ein Tauziehen gesorgt.

Im Interview ist Ihre Wortwahl eine andere als die derbe von C. und Nike. Woher kommt die Sprache der Figuren?

Alli Neumann: Die Dialoge hat Kim ja bewusst so geschrieben, und ich habe auch sofort verstanden weshalb. Auch für mich ist Sprache ein Werkzeug. Wenn ich mich zum Beispiel körperlich von Fremden in die Ecke gedrängt fühle, switcht mein Ausdruck sofort. Die Art, wie ich spreche, ist dann eine Art Schutzschild.

Sind die Figuren demnach andauernd in Verteidigungshaltung?

Alli Neumann: Ja, und das doch auch völlig zu Recht.
Jana McKinnon: Beide, C. und Nike, fühlen sich einfach nicht gesehen. Aber sie gehen damit unterschiedlich um. Nike ist fest davon überzeugt, aus der Scheiße nie rauszukommen. Also fordert sie das Leben noch mal so richtig heraus. C. ist, auch wenn ihre familiäre Situation besser wirkt, in meinen Augen trotzdem der einsamere Mensch. Sie hat Angst davor, ihr Leben zu verpassen, weil sie das Gefühl hat, nichts spüren zu können. Vielleicht kommt daher auch ihr Drang, alles zu dokumentieren.

Wie haben Sie sich den Zugang zu den Figuren erarbeitet?

Jana McKinnon: Ich glaube, jeder Jugendliche, egal aus welchem Umfeld er kommt und wie krass seine Probleme von außen betrachtet sind, empfindet ein Gefühl der Verlorenheit.
Alli Neumann: Ich konnte vieles nachempfinden. Zu Schulzeiten hatte ich eine sehr dunkle Phase. Da kam einiges zusammen, das Geld war knapp, es gab zwei Suizidfälle im engen Umfeld. Dazu war die Schule für mich Krieg. Und obwohl ich mich nach dem Abi nie wieder so ausgeliefert gefühlt habe, hab‘ ich noch immer Angst, dass ich mich irgendwann wieder in so einer Situation wiederfinden könnte.

Haben Sie sich als Jugendliche von der erwachsenen Gesellschaft gehört gefühlt?

Jana McKinnon: Als rebellischer Teenager will man gar nicht verstanden werden.
Alli Neumann: Und gleichzeitig, so paradox das klingt, ist es wichtig, dass du zumindest eine erwachsene Bezugsperson hast, die dich verstehen will. Die sich immer wieder Mühe gibt. Jemand, dem du vertraust und dem du glaubst, wenn er sagt, dass alles gut wird.

Welchen Rat haben Sie für Jugendliche?

Jana McKinnon:
Mein Tipp klingt jetzt vermutlich altmodisch, aber: Lies Bücher, schau Filme, such dir deine Vorbilder woanders als in Magazinen und Apps. Schau dir coole Frauen und coole Männer an, die etwas Tolles zu machen. Lass dich davon inspirieren.
Alli Neumann: Und denk dran: Nach der Schule wird alles anders. Du kannst dann dein Leben selbst bestimmen. Halt durch!

Kim Frank kennt die heute 20-jährige Alli Neumann, seitdem sie 16 Jahre alt ist. Obwohl sie keinerlei Schauspielerfahrung hatte, und alle ihm davon abrieten, einen Newcomer zu besetzen, war für ihn klar: Alli ist Nike.

Die 19-jährige Österreicherin Jana McKinnon hat Kim Frank erst nach einer monatelangen Suche und dem Sichten von fast 1000 Showreels gefunden. Er sah nur ihre Augen durch einen Türspalt und wusste: Jana muss C. spielen.


  • Stab
    • Buch – Kim Frank, Hannah Sioda
    • Regie/Kamera/Schnitt – Kim Frank
    • Musik – Philipp Schwaer
    • Ton – Till Röllinghoff
    • Szenenbild – Sandra Wessberg
    • Kostüm – Yen Alswede
  • Produktion
    • Kim Frank Produktion GmbH
  • Produzenten
    • Kim Frank
    • Marc-Daniel Dichant
  • Redaktion (ZDF)
    • Milena Seyberth
    • Das kleine Fernsehspiel
  • Redaktion (funk)
    • Joanna Gawronska
    • Claudia Di Lena
  • Besetzung
    • C. – Jana McKinnon
    • Nike – Alli Neumann
    • Jesco – Dennis Mojen
    • C.s Mutter – Annika Kuhl
    • Mann im Pornokino – Alexander Scheer
    • Angreifer – Hanno Koffler
    • Arzt – Max Hopp
    • Einlasserin – Lary
    • Jescos Freund – Stephen Owusu-Sekyere
    • Pizzabote – Fayzen
    • …und andere

 

Über Kim Frank:
Kim Frank wurde am 24. Mai 1982 in Flensburg geboren. Nach der Karriere mit seiner Band „ECHT“ entschied er sich für seine zweite Leidenschaft: Film. Er drehte über 90 Musikvideos als Regisseur, Kameramann, Cutter und Produzent für Künstler wie Mark Forster, Andreas Bourani und Udo Lindenberg. Neben zahlreichen Projekten, bei denen Frank unter anderem als Schauspieler tätig war, hat er den Jugendroman „27“ geschrieben. Sein erster Film „WACH“ ist zugleich der erste deutsche Spielfilm, der gleichzeitig im TV und auf YouTube zu sehen ist.

Kim Frank, Regisseur, Autor und Produzent von „WACH“.

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