The Bold Type

Ein Liebesbrief an THE BOLD TYPE

Seit 30. August läuft hierzulande bei Amazon Prime die finale Staffel der wunderbaren Serie THE BOLD TYPE. Damit endet eine unsagbar stabile, mutige und guttuende Serie, welche ich euch nur ans Herz legen kann. Solltet ihr sie noch nicht kennen oder doch schon ein bisschen – fasse ich hier nochmal zusammen, was ich an der Serie so liebe – und was ich am meisten an ihr vermissen werde.

Worum geht’s in THE BOLD TYPE

Die drei Freundinnen Jane, Kat und Sutton arbeiten beim New Yorker Fashion Magazin Scarlet. Jane ist dabei aufstrebende Redakteurin, Kat Social Media Queen vom Dienst und Sutton zunächst Assistentin aber später dann aufstrebende Stylistin. Anders als bei andere Frauenserien geht es in THE BOLD TYPE nicht mal ansatzweise um Dating.

Es gibt durchaus PartnerInnen, doch die sind überwiegend stabil und stets nur Beiwerk zur Erzählung rund um die drei Protagonistinnen. Kern der Erzählung ist die Freundschaft von Jane, Kat und Sutton – und deren Karrieren. Die Serie setzt dabei deutlich feministische Zeichen und beschäftigt sich mit Aspekten rund um Frauengesundheit, Aufstiegschancen von Frauen, Familie und LBGTQ.

They talk the Talk

Ein Faktor, den ich an THE BOLD TYPE ganz besonders schätze ist es, dass die Charaktere fast alle das Prinzip Kommunikation lieben und leben. Es gibt hier schlicht kein hintenrum Lügen und keine Intrigen – entsprechend gibt es auch eher wenige krassen Wendungen, wie man es aus anderen Frauenserien vielleicht gewohnt ist und erwartet. Da kommt nicht der Riesen-Cliffhanger um die geheime Affäre oder den Tod der geheimen Zwillingsschwester. Die Wendungen kommen hier eher durch bewusste und informierte Entscheidungen der Charaktere daher. Und diese basieren in erster Linie auf Kommunikation und nachvollziehbarer Charakterentwicklung.

Einziges krasses Gegenbeispiel stellt eine Sache dar, die ich nun einfach mal mit einer Spoilerwarnung versehe (markieren zum Lesen). In Staffel 4 heiratet Sutton ihren Richard nur, um direkt nach der Hochzeit festzustellen, dass sie unterschiedliche Vorstellungen in Sachen Familienplanung haben. Eine Sache, die so dummbrot-amerikanisch ist, wie sie nur geht. Hauptsache schnell heiraten bevor man mal wichtige Gespräche geführt hat. Das Problem geht in Staffel 5 sogar noch absurder weiter. Nach wochenlanger Funkstille schickt Richard ihr einfach die Scheidungsunterlagen. WTF? Wie wärs, wenn ihr wenigstens jetzt mal miteinander redet, bevor ihr die nächste übereilte Entscheidung trefft?

Spoiler Ende. Aber das ist unter anderem der Grund, warum Sutton für mich eindeutig die Problematischste der Ladies ist.

Feelgood TV trotz dunkler Töne

In THE BOLD TYPE geht es oft um unschöne und realitätsnahe Themen, wie zum Beispiel Gewalt gegen Frauen, sexuelle Übergriffe, Fremdgehen und wie man danach weiter machen kann, Brustkrebs, das Einschätzen eigener Fähigkeiten und Eingestehen von eigenen Grenzen, Rassismus und die Arbeitsrealität von ehemals inhaftierten Frauen sind nur einige davon. Diese Themen werden dabei stets mit viel Sensibilität und Ernsthaftigkeit angegangen. Wenn Jane sie als Reporterin recherchiert, reduziert sie diese nie nur auf eine Story, sondern sieht es, als ihre oberste Pflicht den Menschen zu helfen und die Wahrheit ans Licht zu bringen, insofern dies möglich.

Und trotz all dieser Beispiele, sehe ich THE BOLD TYPE als Feelgood TV! Wie das geht, fragt ihr? Ganz einfach es macht die Art der Menschen, die man sieht. Und diese bereits besagte Kommunikation: Für Konflikte wird eine Lösung gesucht, anstatt in die Schlacht zu ziehen. Die Charaktere unterstützen sich gegenseitig. Insbesondere die Frauenrollen brillieren in ihrem gegenseitigen Support füreinander. Da gibt es praktisch keine Missgunst, keine teeniemäßigen Zickereien um einen Typen oder sonstigen unnötigen Stresssituationen.

Und dadurch leidet man umso mehr mit den Charakteren, wenn es Schicksalsschläge gibt. Aber es ist alles in allem eine ruhige Tonlage. Und damit eine Serie die der Seele guttut. Sie zeigt, dass es auch mal scheiße, laufen kann, aber mit den richtigen Menschen drumherum geht das Leben in den meisten Fällen weiter.

Auch hier wieder die eine kleine spoilerlastige Ausnahme: In Staffel 5 wird kurz das Thema geistige Gesundheit angeschnitten. Schön natürlich, dass es das tut. Doch leider war der Besuch bei der Therapie eine Sache von 2,5 Minuten und danach war „alles wieder gut“. Das hat diesen wichtigen Aspekt in meinen Augen sehr simplifiziert und auf gefährliche Weise klein gehalten. Aber ich denke, hier könnte der Zeitdruck die finale Staffel in nur 6 Folgen zu Ende zu führen mit reingespielt haben. Deswegen drücke ich auch da ein Auge zu, da das Positive einfach deutlich überwiegt.

We should all be THE BOLD TYPE

Letztlich stellt THE BOLD TYPE sicher nicht die Alltagsfrau vor. Doch, wie ich denke, die Alltagsfrau der Zukunft. Junge Frauen wachsen zunehmend in diese Rolle rein, in der sie sich klar auszudrücken lernen und sagen und nehmen, was sie wollen. In der sie ihren Platz in der Gesellschaft als genauso selbstverständlich einfordern, wie es die Männer um sie herum tun. Wie Kat, Jane und Sutton eben.

Und ich sage, dass Serien wie diese, mitverantwortlich sind für diese positive Entwicklung. Denn sie liefern Repräsentanz für eben solche Rollenbilder. Das Thema Repräsentanz wird heute noch oft unter den Teppich gekehrt oder mit „ach, was bringt das schon“ klein geredet. Doch es ist Fakt, dass es aufwachsenden Menschen guttut, sich in dem, was sie im Fernsehen sehen, wiederzuerkennen. Sei es nun das kleine indische Mädchen, dass sich freut bei Netflix‘ NEVER HAVE I EVER endlich eine indische Hauptdarstellerin zu sehen. Oder der kleine chinesische Junge, der sich in Marvel’s SHANG-CHI wiedererkennt. Diese Kinder wachsen damit auf, zu sehen, dass es für sie einen Platz auf der Welt gibt.

Und ebenso sollten junge Frauen mit Serien wie THE BOLD TYPE aufwachsen und sehen, dass alles ok ist, wenn sie eine Karriere anderen Dingen vorziehen. Dass es ok ist, auch mal Mist zu bauen. Es ok ist, eine Niederlage einzugestehen. Dass Beziehungen enden, aber Freundschaften bleiben. Das wichtigste ist, wie man damit umgeht. Kommunikation und Lerneffekt. Beides sind so zentrale Elemente von THE BOLD TYPE.

Mein Fazit: Don’t be a boss bitch. Be a boss, bitch!

Schaut THE BOLD TYPE. Es tut einfach gut.
9 von 10 Punkte (Abzüge aus genannten Gründen)

 

Bildquelle: Copyright Universal Television

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