Filmkritik: „Die dunkelste Stunde“

Von Isabelle Theilen

Eine kurze Inhaltsangabe vor der Filmkritik „Die dunkelste Stunde

Mai 1940: Das anfängliche Kriegsglück der Nazis stürzt die britische Regierung in eine existenzielle Krise, Premierminister Chamberlain tritt zurück. Nur dem reichlich unpopulären Winston Churchill traut man zu, die scheinbar ausweglose Lage in den Griff zu bekommen. Er übernimmt das Amt, sieht sich aber bald von Öffentlichkeit und Regierungsmitgliedern bedrängt, mit den scheinbar unaufhaltsamen Nazis über einen Friedensvertrag zu verhandeln. Doch durch seine außerordentliche Weitsicht und Integrität gelingt es Churchill dennoch, an seiner Überzeugung festzuhalten und für die Freiheit seiner Nation zu kämpfen.

Als die Luftschlacht um England entbrennt und die deutsche Invasion droht, wenden sich das überrumpelte britische Volk, der skeptische König und sogar seine eigene Partei von Churchill ab. Wie soll es ihm in dieser prekären Situation seiner Karriere gelingen, das Land zu einen und den Lauf der Weltgeschichte zu ändern?

Wir haben es mit 126 Minuten Film zu tun, die die ersten Wochen der Amtszeit von Winston Churchill als Premierminister von Großbritannien zeigen. Am 10. Mai 1940 wird er von King George VI eher widerwillig ernannt.

Eine undankbare Zeit ein solch wichtiges Amt zu übernehmen. Hitler hat den Krieg erklärt und bereits große Teile Frankreichs eingenommen. Was die Briten nach der misslungenen Appeasement-Politik seines Vorgängers Chemberlain noch vor einer Invasion schützt, ist ihre Insellage.

In dieser dunklen Stunde tritt Winston Churchill als Retter auf den Plan, der die Nerven behält und sich weder von Mussolini, noch von Hitler blenden lässt. Keine Friedensverhandlungen mit den Nazis: 

„Man kann mit einem Tiger nicht vernünftig reden, wenn man mit seinem Kopf in dessen Maul steckt“.

Gary Oldman schlüpft in die Rolle des Winston Churchill und wird beinahe eins mit der historischen Persönlichkeit. Winston Churchill ist bekannt für seine Eigenheiten, Eigenwilligkeit und fragwürdige Manieren. Gary Oldman verhilft diesem Charakterkopf zu neuem Leben und macht es auch für die Nachkriegsgenerationen nachvollziehbar, was seine Biografen und Chronisten beschreiben.

Man kann die innere Zerrissenheit, mit der er sich Tag und Nacht auseinander setzen muss, nachempfinden. Gewinnt Respekt vor seiner Charakterstärke, aber auch Abstand vor seinem ungewöhnlichen Lebenswandel. Aber Winston Churchill kann auch witzig sein, empathisch und nahbar. Zu Recht wird Gary Oldman für diese Leistung als Favoriten auf einen Oscar gehandelt.

Neben der schauspielerischen Glanzleistung gilt es auch die Storyline des Films zu untersuchen. Basierend auf wahren Begebenheiten (leider) nimmt sich der Drehbuchautor dennoch künstlerische Freiheiten heraus, die den Spannungsbogen besser unterstreichen.

Neben einiger von Churchills berühmten Reden im Radio, Oberhaus und Unterhaus werden manche Szenen auch dazu gedichtet, wie eine Szene, in der er mit der Londoner U-Bahn fährt, um sich ein Stimmungsbild der Bevölkerung aus erster Hand einzuholen. Hier und da hat der Film durchaus Längen. Es passiert nicht wirklich viel Sichtbares.

Für mich fehlt leider die verständlichere Einordnung dieses Ausschnitts der Weltgeschichte in den größeren Kontext. Es wird viel Vorwissen vorausgesetzt, nicht nur über den Verlauf des Zweiten Weltkriegs und die Rolle Großbritanniens und Churchills, sondern auch über seine politische Vergangenheit. Für jemanden ohne das nötige Vorwissen wird der Film wahrscheinlich zu langatmig und unverständlich sein.

Auch ein ausführlicher Ausblick auf die Geschehnisse nach der im Film beschriebenen kritischen Tage und Wochen wäre hilfreich gewesen. So bleibt der Film in meinen Augen eine Biografie eines großen Politikers, gemacht für geschichtlich und politisch Interessierte, aber ohne großartigen breiten Bildungsanspruch.

Fazit der Filmkritik: 8/10 Punkten

Foto: Universal Pictures

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