Good Talk

GOOD TALK von Mira Jacob – Lesetipp!

Wie erklär ichs dem Kind? Die Frage bewegt gerade in der aktuellen Zeit wieder Eltern überall auf der Welt. Es gibt viele Dinge, die Kinder interessieren, aber bei denen Eltern nicht so recht wissen, wie man es sachlich am besten erklärt. Ob nun der aktuell herrschende Krieg im Nahen Osten oder warum man in einem Land lebt, in dem Menschen vor deiner Hautfarbe Angst haben. Die Fragen ihres Sohnes brachten Autorin Mira Jacob ins Grübeln – über Rassismus, über die eigene Identität und die Liebe. GOOD TALK – erschienen im Carlsen Verlag.

Good Talk

Zum Inhalt von GOOD TALK

„Haben Weiße Angst vor braunen Menschen?“ und „Hat Papa Angst vor uns?“, fragt der sechsjährige Z. seine Mutter, die Autorin Mira Jacob, Tochter indischer Einwanderer, die mit ihrem Mann Jed, der weiß und jüdisch ist, in New York lebt. Beim Versuch, ihrem Sohn ehrlich zu antworten, erinnert sich Mira, woher sie ihre eigenen Antworten bekommen hat. Ihre prägendsten Gespräche über Rassismus, Hautfarbe und natürlich Liebe finden sich in diesem Buch wieder.

Auf ebenso scharfsinnige wie einfühlsame Weise zeigt Mira Jacob, was es heute bedeutet, in einem Land wie den USA eine dunkle Haut zu haben. Schon ihr sechsjähriger Sohn wird Opfer bestimmter Zuschreibungen von außen, die er noch gar nicht versteht. Im Gespräch mit seiner Mutter sucht er Sicherheit und Verständnis. Vieles davon lässt sich auch für die deutsche Gesellschaft sagen und lernen. Deswegen ist dieses Buch in der heutigen Zeit so wichtig.

Meine Review

Die Graphic Novel von Mira Jacob arbeitet mit wenigen wiederkehrenden Bildern. Der Stil wirkt Collagenhaft. Im Vordergrund steht hier nicht die künstlerische Raffinesse oder der Zeichenstil, sondern eben das Gespräch, der GOOD TALK. Dabei spricht Mira viel mit Z (ihrem Sohn), ihren Eltern, ihren weißen, Trump wählenden Schwiegereltern, oder Jed, ihrem jüdischen Ehemann. Die Gespräche führen uns durch einschneidende Momente ihres Lebens. Momenten, wie den 11. September. Zunächst geprägt von kollektivem Schock, dann von Solidarität, dann von Angst. Angst vor Terrorismus, ebenso wie der Angst „brauner“ Menschen für Terroristen gehalten zu werden.

All diese Erinnerungen ruft sich Jacob dabei wieder ins Gedächtnis, um zu verstehen, wie sie ihrem Sohn erklären kann, warum die Welt für ihn ist, wie sie ist. Warum er als POC in einer amerikanischen Gesellschaft auch heute noch anders behandelt wird. Und warum seine Großeltern ihn trotzdem lieben, auch wenn sie mit Trump einen Rassisten gewählt haben, der Immigranten hasst. 

Fazit

GOOD TALK wird euch dabei nichts bahnbrechend neues über Rassismus lehren. Doch bietet die Graphic Novel einen einfühlsamen Einblick in einen anderen Blickwinkel. Miras Blickwinkel ist dabei zwar im heutigen Diskurs zum Glück nicht mehr alleinstehend, aber dennoch natürlich auf seine Weise einzigartig. Der zusätzliche Aspekt  des Gesprächs mit ihrem Sohn macht das Buch dabei aber gerade für Eltern zusätzlich spannend. Zwar wartet am Ende nicht die allumfassende Lösung – doch können Eltern sich von der Art, wie Mira Z zuhört und auf seine Fragen reagiert, viel abschauen. Anstatt die Neugier von Kindern immer nur mit Worten wie „das verstehst du noch nicht“ abzutun, gehört zu derlei Gesprächen viel Geduld und Einfühlungsvermögen. 

Ich empfehle GOOD TALK generell jedem. Insbesondere aber: Menschen, die denken, Rassismus sei heute kein Problem mehr, Menschen, die denken „die übertreiben“ und allen Menschen, die sich fragen, wie sie ihren Kindern erklären sollen, wie die Welt ist, wie sie ist. 10 von 10 Punkten

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