Interview: Anja Marquardt zu THE GIRLFRIEND EXPERIENCE S3

Zum Auftakt der dritten Staffel der phänomenalen Serien THE GIRLFRIEND EXPERIENCE durfte ich mit der deutschen Regisseurin, Anja Marquardt, sprechen. Wie es vier Jahre nach den vorherigen Staffeln jetzt zu dieser kam und wie die Zusammenarbeit mit Julia Goldani Telles lief, erfahrt ihr hier!

Wo kam jetzt eigentlich, vier Jahre nach Staffel zwei, der Impuls her noch eine Staffel drei von THE GIRLFRIEND EXPERIENCE zu machen?

Das ist natürlich eine Sender-Entscheidung von der ich aber letztlich nur profitiert habe. Die ersten beiden Staffeln sind ja beide sehr ikonisch gelaufen. Und dann hat sich die Welt groß verändert und auch der Sender hat sich umstrukturiert und ist dabei sehr viel globaler geworden. Als ich dann den Anruf bekommen habe und überlegte wie eine dritte Staffel aussehen könnte, fiel mir auf, dass sich da viel in der Herangehensweise ändern musste. Zum Beispiel, wollte der Sender gerne, dass wir in London drehen, um das Ganze internationaler aufzuziehen. Das hat mich natürlich sehr gefreut, denn ich bin ja aus Berlin, aber arbeite wo auch immer mich der Job hinführt. Und so kam es dann zu einer Staffel drei, die zwar dem Prinzip der Serie folgt aber eben auch, wie die Staffeln zuvor, etwas Eigenständiges ist. 

Dann hätte man doch eigentlich auch gleich in Berlin drehen können, oder? Das ganze Projekt hat ja ohnehin einen recht deutschen Touch, mit Ihnen als Regisseurin und Oliver Masucci als großem deutschen Schauspieler.

Ja das wäre natürlich auch eine Überlegung wert gewesen. Aber für diese Staffel war die Idee gewesen, das dass Ganze in der Tech-Welt spielen soll. Künstliche Intelligenz spielt hier eine große Rolle. Und da war London als Drehort relativ früh gesteckt, so dass ich mich auch daran orientieren konnte in der Entwicklung. Schließlich ist London praktisch das Fin-Tech Zentrum Europas. Dort gab es die Geburtstunde der künstlichen Intelligenz, mit vielen großen Firmen die in London empor kamen.

Gibt es denn bereits Überlegungen, sofern der Erfolg stimmt, THE GIRLFRIEND EXPERIENCE mit weiteren Staffel fortzuführen?

Ich würde sagen, man sollte sich diese Staffel erstmal als autarke Staffel vorstellen. Der Geschichtsbogen der Figur Iris, die nach London geht und dort einen radikalen Neustartet wagt, ist auf jeden Fall eine abgeschlossene Handlung. Als Zuschauer sollte man am Ende hoffentlich auch das Gefühl haben, dass man alle wichtigen Fragen beantwortet bekommen hat.

Wie war es denn in die Fußstapfen von Lodge Kerrigan und Amy Seimetz, und letztlich auch Steven Soderbergh, zu treten. Ist das eine sehr große Herausforderung für Sie gewesen?

Es ist auf jeden Fall eine große Ehre, denn ich bewundere die Arbeit von allen dreien sehr. Die Serie basiert ja auf Soderbergh’s Independence Film das gleichen Namens. Insofern war es natürlich mein Ziel, insbesondere die Zuschauer die die ersten beiden Staffeln kennen und gerne gesehen haben nicht zu enttäuschen. Gleichzeitig hat sich die Welt aber auch unglaublich verändert, die Themen über die nun geredet werden sind andere, die #metoo-Bewegung hat stattgefunden. Und so sah ich die Arbeit auch als große Chance um aus einem aktuellen Blickwinkel an die Thematik heran zu treten und zu sehen, was in dieser dritten Staffel behandelt werden könnte.

Ist der Sender denn direkt an Sie herangetreten für dieses Projekt? Wurden Sie hierfür gar gezielt wegen Ihrer Vorexpertise, durch ihren Film „She’s Lost Control“, herangezogen?

Ich habe einen Anruf bekommen von meinen Agenten, die mich gefragt haben, ob ich dann sitze. Sie erzählten, dass sie von Steven Soderbergh’s Team einen Anruf bekommen haben, in welchem gefragt wurde, ob ich denn Interesse hätte an einer dritten Staffel von THE GIRLFRIEND EXPERIENCE mitzuwirken. Da gab’s natürlich nur eine Antwort von meiner Seite. Hinterher habe ich dann erfahren, dass Amy Seimetz diejenige war die meinen Namen hierfür auf die Liste gesetzt hatte. Wofür ich ihr unglaublich dankbar bin.

Eine Frage die mir schon die ganze Zeit auf der Zunge brennt, auch bei den vorherigen Staffeln: wurden für die inhaltlichen Aspekte der Show Prostituierte / Sex Worker als BeraterInnen herangezogen oder ist das Ganze ein rein fiktives Storytelling?

Ich denke, dass die Recherchen und auch die Authentizität jeglicher Berufe für Filmemacher immer eine große Chance darstellen. Für mich persönlich sehe ich es sogar als Luxus, dass ich mit Leuten sprechen darf, welche diese Tätigkeit in ihrem Leben ausüben und sehr viel mehr darüber wissen. Natürlich gab es also bei bei der Recherche für die dritten Staffel auch Gespräche mit Sex Workern. Aber viel mehr noch habe ich, persönlich, mich in die Welt der künstlichen Intelligenz eingearbeitet. Ich habe da mit etlichen Beratern gesprochen, denn mir war es schon sehr wichtig, dass jemand der im Bereich Neuroscience und künstliche Intelligenz arbeitet, sich theoretisch die Staffel ansehen kann und hoffentlich am Ende sagt >>okay die haben ihre Arbeit gemacht, dass ist schon alles so halbwegs authentisch!<<

Und wie war die Zusammenarbeit mit Julia Goldani Telles?

Julia ist eine sehr methodische Schauspielerin, die unglaublich tief in die Materie einsteigt und sehr viele Fragen in alle Richtung stellt. Wir waren natürlich Partners in Crime denn wir waren ja zusammen in London für die gesamte Drehzeit und das während der Pandemie. Julia ist in jeder Szene, und das ist dann schon eine sehr enge Zusammenarbeit, die auch sehr viel Spaß gemacht.

Was schauen Sie denn so privat an Serien und Filmen? Irgendwelche Tipps für unsere Leser?

AM: Ich bin unglaublich interessiert an ganz vielen verschiedenen Erzählformen. Ich finde es sehr toll, dass internationale Serien inzwischen global verfügbar sind. Ich schaue insbesondere richtig viel, was aus Europa kommt. Gerade gestern Abend habe ich die neue Adam Curtis Serie gesehen „Can’t Get You Out Of My Head“, eine experimentelle Doku-Serie.

 

Habt ihr schon in die Staffel reingeschaut? Meine Review lest ihr HIER!

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