Confronting a Serial Killer

Review: CONFRONTING A SERIALKILLER (STARZPLAY)

Starzplay zeigt ab 18. April 2021 die fesselnde fünfteilige Dokuserie CONFRONTING A SERIALKILLER. Jeden Sonntag wird eine neue Episode gezeigt. Die intensive Dokuserie erzählt die außergewöhnliche Geschichte der Beziehung zwischen der gefeierten Autorin und Journalistin Jillian Lauren und dem bekanntesten Serienmörder der amerikanischen Geschichte, Sam Little.

Zum Inhalt von CONFRONTING A SERIALKILLER

Aus der Sicht von Lauren und mehreren Ermittlerinnen, Überlebenden und Familienmitgliedern der Opfer wirft CONFRONTING A SERIALKILLER ein Licht auf systemische Probleme im amerikanischen Strafrechtssystem. Insbesondere der Voreingenommenheit gegenüber sozialen Randgruppen wie farbigen Frauen, und Menschen, die mit Sucht, psychischen Erkrankungen und Traumata zu kämpfen haben. Sam Little starb kürzlich im Alter von 80 Jahren im Gefängnis, nachdem er sich jahrzehntelang der Strafverfolgung für seine Verbrechen entzogen hatte.

Regie bei CONFRONTING A SERIALKILLER führt der Oscar®-nominierte und mit dem Emmy® ausgezeichnete Filmemacher Joe Berlinger (Paradise Lost-Trilogie, Metallica: Some Kind of Monster, „Ted Bundy: Selbstporträt eines Serienmörders“). Zusammen mit Showrunner Po Kutchins fungiert er auch als ausführender Produzent.

Meine Review

Irgendwie erinnert die grundlegende Beziehung innerhalb der Dokuserie ein wenig an DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER. Ein Psychopath in Gewahrsam. Und nur eine Frau, die es vermag ihm durch einfühlsame Gespräche seine düsteren Geheimnisse zu entlocken. Zunächst kam es mir dabei fast so vor, als würden die Informationen zu Lauren’s privatem Leben etwas Überhand nehmen. Man erfährt so viel über sie was vermeintlich nichts mit der Geschichte des Killers zu tun hat.

Doch das Bild verdichtet sich zunehmend, dass ihre Geschichte genauso wichtig ist um das Gesamtbild zu verstehen. Schließlich ist es diese Geschichte, die SIE dazu brachte sich mit der seinen zu beschäftigen. Ihre Empathie gegenüber den Opfern, inspirierte ihr Interesse an dem Fall und führte zur Aufklärung der Verbrechen. Ihre Geschichte, führte letztlich wahrscheinlich auch dazu, dass Sam Little sich ihr öffnete. Lauren erinnerte Little an sein Beuteschema. Er sah in ihr ein potentielles Opfer, deswegen öffnete er sich.

Das schockierendste an CONFRONTING A SERIALKILLER ist de facto aber nicht einmal der Mörder selbst, sondern die Unzulänglichkeiten des amerikanischen Rechtssystems welche sich hier offenbaren. So gelten, teils bis heute (siehe Vergewaltigungsprozesse), die Aussagen von Frauen weniger als die von Männern. Wenn diese Frauen dann noch weitere „Defizite“, wie eine nicht-weiße Ethnie oder Profession als Prostituierte, aufweisen, dann sind sie praktisch nichts wert. Das gilt nicht nur final vor Gericht, sondern generell auch für die Ermittlungsarbeiten in Fällen weiblicher Opfer.

„Less Dead“

This phenomenon has been referred to as being „less dead“. Marginalized homicide victims, historically, have been investigated not as thoroughly as their wealthier, wither and more sober counterparts. Pretty white college students are „the most dead“, black hookers are „the least dead“ (CONFRONTING A SERIALKILLER, Episode 1, Minute 17-17:30)

In einer Szene sehen wir eines der wenigen überlebendes Opfer, Laurie Barros. 35 Jahre nach einer Gerichtsverhandlung trifft sie auf den Staatsanwalt der sie damals vernahm. Innerhalb der Verhandlung wurde Barros Aussage damals verworfen, da sie als vorbestrafte Prostituierte als nicht glaubwürdig genug galt. Das zweite überlebende Opfer tauchte zur Verhandlung nicht auf. Die Staatsanwaltschaft sprach Little damals frei. Barros‘ Vorwurf nach gehen alle Morde die Little nach dieser Verhandlung beging auf die Kappe dieser Anwaltschaft und ihrer fahrlässigen Arbeit.

Dieses Muster zieht sich weiter durch. In einer späteren Episode wird der Tod einer jungen POC Frau als Unterkühlung nach Überdosis abgetan. Obwohl die Leiche der Frau deutlich mit Hämatomen übersäht war. Die Familie des Opfers war zu Recht entsetzt. Doch die Polizei nahm den Fall nicht einmal ernst genug um weiter zu ermitteln. Sie war schwarz und hatte eine Vorgeschichte mit Drogen. End of story.

Mr. Sam und Baby Doll

Eine Sache die sich ebenfalls wie ein roter Faden durch die gesamte Doku zieht ist die, wenngleich einseitige, intime Beziehung die Lauren und Sam Little über die Jahre aufbauten. Ihr so genannter Deal mit dem Teufel war es, ihn nicht einsam sterben zu lassen im Austausch für Antworten. Sie verschrieb sich ihm. Zu Laurens Glück endete dieses Elend Ende 2020. Dennoch wird der Geist von Sam Little sie sicherlich für den Rest ihres Lebens verfolgen.

In den Telefonaten, die man im Rahmen der Doku sieht, nennt Sam Lauren „Baby“ oder „Baby Doll“. Wenn sie mit ihm spricht geht ihre Stimme hoch. „Oh Hi Mr. Sam!“ Sie wirkt erfreut und euphorisch. Sie gibt ihm was er möchte. Und erhält im Gegenzug Antworten. Und Morddrohungen. Doch in den Augen von Jillian Lauren war es das in jedem Fall wert. Denn ihre Arbeit konnte aktiv dazu beitragen dem wahrscheinlich gefährlichsten Serienmörder der USA auf die Schliche zu kommen. 93 Morde hat er durch ihre Telefonate eingestanden. Noch immer sind nicht alle davon gelöst. Auch wenn es Lauren persönlich gelang, einige dieser Geständnisse mit offenen Fällen zu verknüpfen.

Mein Fazit

Erstmal uffta. CONFRONTING A SERIALKILLER lässt einen mit einem flauen Gefühl im Magen zurück. Die Doku trifft mich ähnlich wie damals MAKING A MURDERER. Sie zerlegt einen Kriminalfall in seine Bestandteile, doch am Ende deckt sie dabei die Schwachstellen in erster Linie auf Seiten der Ermittlung auf.

Sam Little konnte als Serienmörder darum so lange und erfolgreich agieren, da er diese Schwachstellen gezielt ausnutzte. Er wusste genau nach welchen Opfern niemand fragen würde. Nebst seiner, in der Kindheit geprägten, Verachtung von Frauen im Allgemeinen, suchte er sich unter diesen gezielt die schwächsten aus. Die POC, die Sex Worker, die Drogenabhängigen. Die, die dem Gesetz egal sind.

Doch die Probleme, die in CONFRONTING A SERIALKILLER dargestellt werden, sind leider nicht nur im amerikanischen Rechtssystem auffindbar. Die Diskriminierung von POC, von Sex Workern und letztlich allgemein von Frauen, findet man überall. Sie ist ein strukturelles Problem. Das soll jetzt hier nicht der internationale feministische Kampfschrei werden, nur ein Vermerk, dass da noch viel zu tun ist.

Die fesselnde Doku bekommt von mir auf jeden Fall 9 von 10 Punkte. 

 

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