Falling

Review zum Kinostart von FALLING

Am 12. August kann endlich Viggo Mortensens Regiedebüt FALLING in den deutschen Kinos starten! FALLING fragt die gern tabuisierte moralische Frage: muss man sich um seine Erzeuger kümmern auch wenn diese absolute Arschkrampen sind? Ein berührender Film über das Verhältnis zwischen Erinnerung, Identität und den eigenen familiären Wurzeln. Mein Kino-Tipp diese Woche!

Zum Inhalt von FALLING

John (Viggo Mortensen) lebt mit der Wut seines Vaters, seit er denken kann. Auch im Alter macht Willis keinen Hehl daraus, dass er den Lebensstil seines offen homosexuell lebenden Sohnes zutiefst verabscheut. Einst versuchte der nach außen hin so stark wirkende Mann aus dem Mittleren Westen seinen Sohn zu einem echten Mann zu erziehen – doch der weltoffene, tolerante John distanzierte sich als Erwachsener vollständig vom männlichen Rollenbild seines Vaters, das sich durch Aggressivität und Engstirnigkeit auszeichnet. Als Willis mit einer beginnenden Demenz kämpft, nimmt ihn John trotz der schmerzhaften Erinnerungen an die gemeinsame Vergangenheit in sein Haus in Kalifornien auf. Dort lässt Willis den unkontrollierbaren, negativen Gefühlen gegenüber seinem Sohn freien Lauf. Plötzlich hat John die volle Verantwortung für denjenigen Mann, der ihm im Leben am meisten weh getan hat…

Bad Grandpa!

Ich nahm zunächst an, hier würde es sich, irgendwo parallel zu UNCLE FRANK, um einen weiteren Film über homophoben Familienmitglieder handeln. Aber dass John schwul ist, ist hier wahrlich das kleinste Thema. Sein Vater, Willis, ist einfach durch und durch ein widerlicher, alter Sack. Kann man nicht beschönigen, werde ich also auch nicht. Seine Homophobie ist nur eine von seinen vielfältigen Verfehlungen und mitnichten Hauptthema des Films.

Viel mehr wirft der Film die Frage auf: müssen wir uns wirklich um unsere Eltern kümmern, auch wenn diese uns von vorne bis hinten wie Dreck behandeln? Willis war kein Bilderbuch Vater. Ja es gab hier und da auch schöne Erinnerungen – diese durchbrechen den Film in kurzen Rückblenden. Doch alles in allem war er zu seinen beiden Kindern sowie beiden Frauen stets ein Ekel. Ein Ekel, dass sich nicht wundern braucht am Ende allein da zu stehen.

Und dennoch lässt John nicht locker, und kümmert sich um genau dieses Ekel. Es wird ihm nicht gedankt. Willis bemerkt einfach nicht, dass er den Anpfiff fürs 21. Jahrhundert verpasst hat. Er ist ein Mann dem einfach noch nie jemand Konter gegeben hat. Warum sollte er sich also im hohen Alter noch ändern?

Mein Fazit

FALLING hinterlässt einen mit einem moralischen Dilemma. Wie hätte man reagiert? Hätte man diesen Vater ertragen können? Die Kinder schienen letztlich sogar mit ihrer Stiefmutter eine engere Bindung zu haben als mit ihrem Vater. Blutsverwandtschaft ist also deutlich nicht alles. Homphobie, Sexismus, Rassismus und deutliche Klosprache und eine Prise Demenz. Ein schwieriger Cocktail und ein umso bewegenderer Film.

Ich gebe 8 von 10 Punkten.

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