Review: „Veronica Mars – The Movie“

Von Stephan Greitemeier

Veronica, der Lenz ist da! Diesen Frühling kehrt eine der beliebtesten TV-Detektive des jungen Jahrtausends zurück, diesmal auf die große Leinwand: Veronica Mars. Zwischen 2004 und 2007 pfefferte die Hobbydetektivin ihren Schul- und Uni-Alltag mit Ermittlungen gegen Diebe, Mörder und Serienvergewaltiger, wobei sie sich eine kleine aber feine Fangemeinde erwarb. Nach der dritten Staffel war Schluss, denn obwohl die Kritiker von der schlagfertigen Jungdetektivin begeistert waren, blieben die Quoten mau.  Nichtsdestotrotz blieben Serienschöpfer Rob Thomas und Star Kristin Bell am Ball, um getreu dem Community-Motto ihr Ziel zu verwirklichen: Three Seasons and a Movie. Die Kickstarter-Kampagne war nicht nur dank des sympathischen Video-Aufrufs ein Bombenerfolg, der statt der erhofften 2 glatte 5,7 Mio $ einbrachte und so den Fans ein Wiedersehen mit den dubiosen Einwohnern von Neptune, CA bietet.

Neun Jahre sind vergangen, seitdem Veronica (Kristin Bell) als spitzzüngiger Engel der Gerechtigkeit ihre dekadente Heimatstadt das Fürchten lehrte. Mittlerweile hat es sie an die Ostküste verschlagen, wo ihr nach Abschluss ihres Jura-Studiums ein großartiger Einstieg in eine renommierte Kanzlei winkt. Selbst ihr Liebesleben sieht rosig aus, hat sie doch mit Piz (Chris Lowell) ihren Freund gleich mit in den Big Apple transplantiert. Das einzige, was jetzt noch dazwischenfunken könnte – sind ihre alten Freunde. Denn als eine Ex-Mitschülerin ermordet und Ex-Freund Logan (Jason Dohring) des Mordes verdächtigt wird, erwacht Veronicas Sinn für Abenteuer erneut. Im Umfeld ihres Klassentreffens trifft sie auf alte Freunde, neue Feinde – und einen Polizeiapparat, in dem „korrupt“ das neue Schwarz ist. Und Veronicas Ermittlungen bedrohen nicht nur ihre anwaltliche Zukunft: auch Logan erweist sich bald als Gefahr, wenn auch nur in amouröser Hinsicht.

Fazit

Veronica Mars – die Serie war dank schlagfertiger Figuren, komplexer Storylines und spannender Milieustudien Anfang des Jahrtausends ein gewaltiger Lichtblick in der Flimmerkiste. Umso mehr muss der Film enttäuschen. Statt byzantinischer Ermittlungen gibt es eine einzige (banale) Storyline, statt Schulhof und Campus als ungewohnte Tatorte eine typisch kalifornische Kleinstadt, statt spannender Figuren Fanservice und Callbacks für Freunde der Serie. Ja, die Dialoge sind immer noch toll, doch Schöpfer Rob Thomas hat es nicht verstanden, seinem Kosmos im neuen Medium auch neue Seiten abzugewinnen. Wie ein TV Movie wirkt seine erste Filmregie, altbacken und meilenweit hinter ihren Möglichkeiten. Der Mordfall ist unspektakulär, die Verwicklungen vorhersehbar, die Lösung emotional unbefriedigend. Ja, es macht Spaß, Wallace als Lehrer zu sehen, Mac mit neuem Lesbenhaarschnitt und Weevil als Familienvater. Ja, Jerry O’Connel als selbstverliebter Sherriff, der witzige Kurzauftritt von James Franco im Kampf gegen ein Beinkleid und Eden Sher („The Middle“) als drollige Assistentin machen Spaß. Aber all das täuscht nicht über die emotionale Leere des Films hinweg. Zumal Love Interest Logan wirkt wie Ladenhüter Stuart aus „Big Bang Theory“. Darum werden Zuschauer, die mit der opulenten Serienwelt nicht vertraut sind, sogar noch enttäuschter sein. Wie eine zweibeinige Kuh kann Veronica Mars – Der Film nicht ohne Hilfe stehen.

Er ist selber wie ein Klassentreffen: man freut sich, die Freunde wiederzusehen, doch an die „alten Zeiten“ kommt man nicht mehr heran.

Bewertung

Nur für Marshmallows. Leider.

Länge: 107 Min.

Altersfreigabe: FSK

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