REVIEW: “Star Wars: Das Erwachen der Macht” (Kinostart: 17. Dezember 2015)

Von Kai Aulich

Mit folgenden einleitenden Worten wurde am 25. Mai 1977 in den US-Kinos Geschichte geschrieben:

A long time ago in a galaxy far, far away….

Oder wie es dann am 10. Februar 1978 in den deutschen Kinos hieß:

Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis…

Diese Worte setzten einen Meilenstein in der Filmgeschichte.

Der Film ‚Star Wars‘, oder besser ‚Krieg der Sterne‘, denn so hieß er damals bei uns, war seiner Zeit einfach – pun intended – Lichtjahre voraus. Und bevor nun jemand aufschreit, als altem Nerd ist mir selbstverständlich bewusst, dass ein Lichtjahr keine Zeiteinheit ist, sondern ein Längenmaß, aber dieses Wortspiel bietet sich zu sehr an, als das ich es auslassen könnte. Und manch einer wird dabei wohl auch direkt an den berühmten „Kessel-Run“ von Han Solo gedacht haben, den er mit seinem Raumschiff, dem Millennium Falcon, laut eigener Aussage in 12 Parsecs zurückgelegt haben will, was allerdings auch unmöglich ist, da Parsec ebenfalls ein Längenmaß und keine Zeiteinheit ist.

‚Star Wars‘ war ein absolutes Phänomen, dass die Welt im Sturm erobert und zudem ein Fandom hervorgebracht hat, was noch heute seinesgleichen sucht. Ich selber zähle mich zu diesem Fandom und hatte das Glück in der Blütezeit von ‚Star Wars‘, den 80er Jahren, aufzuwachsen. Ich bin also mit Episode IV, V und VI (‚Krieg der Sterne‘ [1977], ‚Das Imperium schlägt zurück‘ [1980], und ‚Die Rückkehr der Jedi-Ritter‘ [1983]) groß geworden, hatte selber auch so einiges an ‚Krieg der Sterne‘ Spielzeug (der Firma Kenner) und somit drehte sich ein großer Teil meiner Kindheit in den 80ern nur um die Abenteuer von Luke Skywalker & Co.

Wer so eine Liebe für diese Weltraum-Geschichte aus der Feder von George Lucas entwickelt hat, für den sind diese drei Filme, so wie sie damals in die Kinos kamen, geradezu heilig geworden. Entsprechend gab es dann sofort viele unzufriedene Stimmen aus dem Fandom, als Lucas 1997 die „Special Edition“ veröffentlichte. In dieser überarbeiteten Fassung der Original-Trilogie gab es so einige Neuerungen, die die Fans in ihrem geliebten Heiligtum natürlich partout nicht sehen wollten, da sie das eigentliche Kunstwerk befleckt haben. Das nachträgliche Verändern der Filme durch Lucas kam für die Fans schon einem Sakrileg gleich. Man stelle sich analog nur mal vor, Leonardo da Vinci hätte 20 Jahre nachdem er das Ölgemälde „Mona Lisa“ fertiggestellt hat dann nochmal nachträglich den Pinsel angesetzt und das Bild entscheidend verändert…

Nach diesem ersten Fauxpas durch Lucas, den er selber aber nie als solchen gesehen hat, denn für ihn waren diese Änderungen nötig und eine Bereicherung, die die Filme seiner ursprünglichen Vision die er auf Zelluloid bannen wollte dann nachträglich näher gebracht haben, kam zwei Jahre später (1999) der von den Fans lang ersehnte Neueinstieg in das ‚Star Wars‘ Universum. Mit dem Titel ‚Star Wars: Episode I – Die dunkle Bedrohung‘ brachte Lucas zwar einen technisch (was Bild und Ton angeht) anspruchsvollen und auch kommerziell doch recht erfolgreichen Film auf den Markt, auch die beiden Nachfolger Episode II und III waren entsprechend, allerdings sind die Stimmen aus dem Fandom auch hier nicht wirklich positiv gewesen. Um nur mal zwei große Kritikpunkte dieser Prequels zu erwähnen: „Jar Jar Binks“ und die Sache mit den „Midi-Chlorianern“.

Angesichts der teils doch großen Enttäuschung die Episode I bis III ausgelöst hatte, plus dem beschriebenen Fiasko mit der vorher veröffentlichten „Special Edition“, waren die Fans nun natürlich hochgradig sensibilisiert und die Angst ein weiterer Film dieses Franchise würde mit ähnlichen Auswüchsen aufwarten, war verständlicherweise groß. Mit dem Verkauf der Rechte, die George Lucas für schlappe vier Milliarden US-Dollar an Disney abgetreten hat, kam dann auch noch die Angst hinzu, was der neue Rechteinhaber denn nun mit diesem Produkt machen würde. Gerade wenn man das Wort „Disney“ hört, denkt man in erster Linie doch eher an Kinderfilme und da konnte es dem gestandenen ‚Star Wars‘ Fan doch schon etwas mulmig werden.

Es sind jetzt 38 Jahre vergangen, seit das Phänomen ‚Star Wars‘ die Kino-Leinwände der Welt erobert hat, und nun stehen wir im Jahre 2015 vor einem weiteren Neueinstieg in dieses Franchise und diesmal aber unter komplett neuer Flagge. Eigentümer: Disney, Regie: J.J. Abrams, der Titel: ‚Star Wars: Das Erwachen der Macht‘, die Erwartungen der Fans: sehr hoch!

George Lucas hatte bereits schon vor einiger Zeit die Möglichkeit sich den Film (auch kurz Episode VII genannt) in einem Screening anzuschauen und gab als Kommentar dazu ab, Zitat: „I think the fans are going to love it. It’s very much the kind of movie they’ve been looking for.“ („Ich denke die Fans werden ihn lieben. Es ist genau die Art von Film wonach sie gesucht haben.“). Dieses Statement sagt eigentlich alles aus. Lucas selber hat ja immer von sich gesagt, daß er Filme für 12-Jährige macht und es nicht seine Schuld ist, wenn sie auch von Erwachsenen gemocht werden. Dies bedeutet, bezogen auf sein Statement zu Episode VII, dann im Umkehrschluß, daß der Film ‚Star Wars: Das Erwachen der Macht‘ eindeutig nun erstmalig genau das ist, was sich die Fans seit der Original-Trilogie immer schon für eine weitere Fortsetzung der Geschichte gewünscht haben.

FAZIT

 

Nachdem ich den Film jetzt gesehen habe kann ich wirklich nur eines sagen, und das mit voller Überzeugung: Ein Hoch auf J.J. Abrams und Disney!

‚Star Wars: Das Erwachen der Macht‘ gibt einem zum ersten mal nach über 30 Jahren wieder das Gefühl einen echten ‚Krieg der Sterne‘ Film zu schauen. Der Film präsentiert sich mit beeindruckenden Bildern, die einen sofort in das Jahr 1977 zurückwerfen, wo das Universium nämlich nicht so sauber und ordentlich, sondern so herrlich dreckig und abgenutzt daherkam. Man fühlt sich alleine schon am Anfang auf dem Wüstenplaneten Jakku direkt zuhause wie auf Tatooine, dem Wüstenplaneten aus Episode IV (‚Krieg der Sterne‘ / Star Wars – A New Hope‘), überhaupt hat der Film viele Parallelen zu Episode IV und gibt einem ein unheimlich tolles Gefühl von Vertrautheit. Selbst wenn sie keinen Schauspieler der Original-Trilogie mit in diesen Film integriert hätten, ‚Star Wars: Das Erwachen der Macht‘ wäre, dank der Liebe und Sorgfalt die J.J. Abrams diesem Projekt gewidmet hat, dennoch ein eigenständig funktionierender und sich wirklich nach ‚Krieg der Sterne‘ anfühlendes Werk geworden. Das wir uns in diesem neuen Streifen aber obendrein noch an Harrison Ford, Carrie Fisher, Mark Hamill und vielen mehr der alten Garde erfreuen können, bringt die ganze Sache schlicht over the top.

Storytechnisch hält der Film so einige Überraschungen bereit, die den Weg für die kommenden Episoden VIII und IX geebnet haben. J.J. Abrams hat die Welt von ‚Star Wars‘ wirklich wunderbar in Szene gesetzt und dem Franchise wieder echtes Leben eingehaucht, was selbst bei einem über 40-Jährigen wie mir das Kinderherz wieder auf Volltouren schlagen läßt. Mehr kann und muß man dazu wahrlich nicht sagen, denn ‚Star Wars: Das Erwachen der Macht‘ ist in der Tat ein Film wie man ihn sich als Fan der Original-Trilogie für eine Fortsetzung sehnlichst gewünscht hat.

Mein Bewertung: 10 von 10 Punkten

Länge: 135 Minuten
Altersfreigabe: FSK12

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