Hausen

Review zu HAUSEN (Sky)

Am 29. Oktober 2020 startet die deutsche Horror-Mystery-Serie HAUSEN auf Sky Atlantic. Dort laufen die insgesamt 8 Folgen dann täglich ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen ab. Zusätzlich könnt ihr die komplette Staffel auf Sky Ticket und über Sky Q auf Abruf sehen. Neumodisches Remake von „Spuk im Hochhaus“ oder deutsche Variante von „Haunting of Hill House“? Ich hab das schon mal für euch geprüft.

Zum Inhalt von HAUSEN

Nach dem Tod seiner Mutter ziehen der 16-jährige Juri (Tristan Göbel) und sein Vater Jaschek (Charly Hübner) in einen heruntergekommenen Plattenbau am Rand der Stadt. Während Jaschek versucht, als Hausmeister des maroden Gebäudes eine neue Existenz für sich und seinen Sohn aufzubauen, entdeckt Juri nach und nach, dass das Haus ein bösartiges Eigenleben hat und sich vom Leid seiner Bewohner ernährt. Um es zu bekämpfen, muss Juri die teils feindselige, teils apathische Blockbevölkerung zur Zusammenarbeit bewegen – und sich gegen seinen Vater auflehnen, der immer mehr in den Bann des Hauses gerät.

Spuk im Hochhaus

Der Titel der Serie, HAUSEN, klingt zunächst wie als hätte ein Ausschuss amerikanischer Trendforscher einen deutschen Serientitel vergeben sollen ohne wirklich Deutsch zu sprechen. Etwas unbeholfen. Ja das Verb gibt es, aber wer redet so, bitte? Aber nun ja, es geht ums hausen – in einer richtig ranzigen Platte.

Wir nehmen also das Haunted House Genre und platzieren es in einem typisch deutschen Haus. Da muss es natürlich auch typisch deutsche Probleme geben: Heizung kaputt, Fahrstuhl kaputt, Omma hustet, Schimmel an den Wänden, neuer Hausmeister nervt. Find ich generell schon mal gut, weil da ist dann für jeden was dabei. Selbst wer vom „Horror“-Horror hier nicht hinreichend abgeholt wird, der kann den realen Horror einer deutschen Mietswohnung vielleicht wenigstens nachvollziehen?

Ein Trend welcher hier deutlich aufgegriffen wurde, mich aber zunehmend nervt, ist dass alles einfach unsagbar dunkel ist. Klar hilft das im Horror Genre. Dunkelheit ist unheilvoll, gruselig, macht Stimmung. Aber an vielen Ecken ist es auch einfach unrealistisch und nervig. Jetzt macht doch ma bitte einer das Licht im Treppenhaus an! Wo das vielleicht noch im Rahmen der Grusel-Platte funktioniert wird es aber etwas lächerlich wenn auch Szenen die außerhalb spielen, ebenso düster daher kommen. Selbst im Krankenhaus oder Supermarkt ist es dort dunkel. Fast schon post-apokalyptisch, wenn irgend etwas anderes darauf hindeuten würde.

Haunting of Platte-Manor

Aber zurück ins Haus. Dort treffen wir eine Reihe skurriler und dennoch realistischer deutscher Hausbewohner. Der eine dabei natürlich etwas mehr überspitzt als der andere. Viele leben so lange in dem Haus, dass sie über die „kleinen Mankos“ einfach hinwegsehen. Oder sich einen Umzug schlicht nicht leisten könnten. Und so kriecht langsam und unheilvoll dieser eklige, schleimige, schwarze Schimmel immer mehr in den Vordergrund.

HAUSEN hat aber durchaus auch Gruselmomente über die Platten-Romantik hinaus. Und auch welche bei denen es mir tatsächlich den Magen herum drehte. Daumen hoch, da dies überwiegend ohne Splatter funktioniert. Das können ja heutzutage nicht mehr viele. Aber diese Baby-Grusel-Schiene, die tut es mir inzwischen echt an. Spätestens seit dem ich selbst ein Kind habe, geht mir Baby-Horror meistens zu weit. Nicht, dass ich nicht hinschauen könnte und mich unter der Decke verkrieche, dass geht mir einfach Nahe. Auf unangenehme Weise.

Ich brauchte zugegebenermaßen ein paar Folgen bis mich HAUSEN catchen konnte. Der Anfang schien einfach nur düster und trist und eher nach Alltagshorror mit übernatürlichem Schimmel und ein paar Junkies. Doch etwa ab Folge 4/5 verdichtet sich das Bild. Man stellt fest wie die Dinge zusammenhängen und der Plot intensiviert sich.

Mein Fazit

HAUSEN braucht zunächst etwas Luft, um sich zu etablieren. Doch dann kommt da durchaus ein anständiger Horror bei heraus, der durch und durch seine deutsche Identität behält. Selbstverständlich gibt es heutzutage keine Originalität mehr, aber deutsche Medien haben es doch immer besonders schwer sich zu beweisen. Zu viel wird abgekupfert, zu wenig ist wirklich originell. Doch HAUSEN hat da wirklich seinen eigenen Charme entwickelt. Das ist mal anständiger deutscher Haunted Hause Horror!

Ich vergebe 7 von 10 Punkten.
Abzüge sind dabei der zu seichte Einstieg, der Mangel an Glühbirnen und das Baby-Ding. Sonst eine wirklich solide Geschichte!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.