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1 Serie, 2 Meinungen: HUNTERS (Amazon Prime)

Von Beate Geibel und Ricarda Eichler

Am 21.2.2020 startet bei Amazon Prime die hochkarätig besetzte neue Serie HUNTERS. Produziert von Jordan Peele und David Weil starten darin Al Pacino und Co. eine wilde Nazi-Jagd. Kommt ihr mit?

Zum Inhalt von Hunters

New York, 1977 – eine bunt gemischte Truppe von Nazi-Jägern, die sogenannten HUNTERS, haben entdeckt, dass in ihrer Gesellschaft hunderte ehemals hochrangiger Nazi-Beamte leben und sich verschwören, um ein Viertes Reich in den USA zu gründen. Das Team der Jäger startet in seine blutige Mission, die Verschwörer zur Rechenschaft zu ziehen und ihre erneuten Genozid-Pläne zu vereiteln.

Zum hochkarätigen Cast der Amazon Original Serie Hunters gehören neben Al Pacino auch Logan Lerman (Percy Jackson Reihe), Jerrika Hinton (Grey’s Anatomy), Josh Radnor (How I Met Your Mother), Kate Mulvany (Lambs of God), Tiffany Boone (The Following), Greg Austin (Mr. Selfridge), Louis Ozawa Changchien (Bosch), Carol Kane (Unbreakable Kimmy Schmidt), Saul Rubinek (Billions), Dylan Baker (Homeland) und Lena Olin (Alias).

Was Beate sagt…

Für Euch zur Info: Uns wurden 5 der 10 Episoden der ersten Staffel vorab zur Verfügung gestellt. Mit HUNTERS legt Amazon nun nach “The Man in the High Castle”, seine zweite Serie mit der Prämisse “Nazis infiltrieren die USA“, vor.

Showrunner David Weil war mir bis dato unbekannt, den verantwortlichen Produzenten, Jordan Peele hingegen, hatte ich als Schauspieler (Fargo, Get Out, Modern Family) und auch als Producer (The Last O.J, Us, Blackkklansman, Get Out) im Hinterkopf. Besonderheit, Oscarpreisträger Al Pacino ist hier in seiner allerersten Rolle in einer TV Serie zu sehen.

Die HUNTERS leben in einer gewalttätigen Welt, denn für sie ist der 2. Weltkrieg nie zu Ende gegangen. In ihren Augen herrscht immer noch Krieg, obwohl die Frage, wer die Gejagten und wer die Jäger sind, im Laufe der Serie immer wieder wechselt. Im Grunde ist “Hunters” eine Art schwarze Thriller-Komödie, die den Spagat zwischen Gewaltorgie und Albernheit wagt – und es trotz der Brutalität und des Getöses schafft, die zugrundeliegenden Geschichten über den Holocaust mit Behutsamkeit und Respekt zu erzählen.

Die Serie fällt allerdings dabei gefühlt im Minutentakt immer wieder von einem Extrem ins andere. Mal wohl überlegt, leise und nachdenklich, dann wieder lautes B-Movie Gepolter mit trashigen Splatter Elementen. Hunters ist eine Serie in konstanter Alarmbereitschaft, die sofortiges, oft drastisches Handeln der Figuren beider Lager erforderlich macht und sich dabei den Großteil der Zeit einen Dreck um Realitäten schert. Das Besondere hierbei: die Gewaltszenen, insbesondere die Folterungen, fungieren als Transportmittel für die realen Gräueltaten der Nazis.

Trotz all dieser Ambivalenz, wagt die Serie den Versuch, Themen wie Moral, Rache, Verantwortung und Gerechtigkeit in der Balance zu halten und sie dabei immer wieder zu hinterfragen. Aus dieser zugegeben, wilden Mischung, zieht die Serie ihre Energie und hält das Aufmerksamkeitslevel des Zuschauers hoch. Ich hoffe, die Serie schafft es, die Balance zu halten und die realen Erlebnisse der Häftlinge in den KZs, die als Vorlage für die Nazijagd dienen, trotz der Lautmalerei, respektvoll zu transportieren.

Fazit

Die Frage, ob dieses versuchte Spagat aus knalliger Action und seriösem Drama am Ende zu viel des Guten ist, lässt sich erst mit Abschluss der ersten Staffel beurteilen. Ob man die Serie mag, wird allein davon abhängen, ob der Zuschauer bereit ist, sich auf diese bisweilen schnelle, harte Mixtur aus Realität und Fiktion einzulassen.

Für Fans von Quentin Tarantino Filmen, die vor Gewaltszenen bis hin zu Folterungen nicht zurückschrecken, auf tiefschwarzen Humor stehen und sich auf viele Figuren und Handlungsstränge einlassen können.

7/10 Goldblums

Hunters (c) Amazon Prime

Ricarda sagt…

Time and place 

Ein Jude, eine Afro-Queen, ne Nonne, ein Asiate, ein älteres Ehepärchen und Ted von HIMYM treffen sich in einer Bar. Klingt wie der Aufhänger für nen Witz oder? Und das muss den Machern von HUNTERS auch bewusst gewesen sein als sie diesen illustren Haufen mit noch einem Teenager toppten und auf Nazis los jagten.

Die Serie beruht vermeintlich auf wahren Begebenheiten. Inspiriert wurde sie in Grundzügen sicherlich auch durch den Fakt, dass David Weils Großmutter selbst Überlebende eines Konzentrationslagers ist und ihrem Enkel hiervon berichtete. Und mit Amazon Prime hat man wahrlich auch den perfekten Kooperationspartner gefunden. So hat sich Amazon doch bereits mit THE MAN IN THE HIGH CASTLE eine kleine Anti-Nazi Nische geschaffen.

Und auch das Timing könnte perfekter nicht sein für solch eine Serie. Eine Zeit in der insbesondere in Deutschland rechte Tendenzen immer wieder traurige Höhepunkte erlangen können. Aber wo auch international Dummheit, Rassismus und Größenwahn irgendwie hoch im Kurs stehen. Was gibt es da besseres, als mit allen Kalibern an die Vergangenheit zu erinnern. Hitler tanzt aktuell mehrfach durchs Kino. Im Kleinformat werden seine Untergebenen gejagt!

Style and Substance

Stilistisch orientiert sich HUNTERS stark am hypercoolen Stil eines Quentin Tarantino oder Robert Rodriguez. Coole Schnitte, comicartige Einblendungen, überspitzte Charaktere. In den ersten 5 Folgen die ich schauen konnte, kann man vieles einfach nur hinnehmen. Eine Nonne, die Nazis jagt? Ok, läuft. Aber über mit Hintergrundinformationen zu Sister Harriets Motivation wird gegeizt. Und das betrifft nicht nur sie.

Am schwersten fällt mir persönlich dabei diese Akzeptanz gegenüber Lonny Flash. Nicht nur, dass der Name wie eine Porno-Version von Johnny Cash klingt. Nein, er wird auch noch gespielt von Ted aus HIMYM. Sorry ich kann den Mann einfach nicht ernst nehmen. Klar soll HUNTERS nicht nur todernst sein. Aber Lonny wirkt einfach wie eins der ranzigen Alter-Egos von Ted, das gerade jemanden in der Bar aufreißen will.

Zur Story kann und werde ich nicht viel sagen. Es gibt Nazi-of-the-week ähnliche Sequenzen, welche letztlich aber alle in den Hauptplot mit einfließen. Und die Hunters jagen natürlich auch nicht einfach munter herum, ohne dabei Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. So mischen sich das Gesetz, in Form von Agentin Millie Morris (Hinton) genauso ein, wie der mysteriöse arische Auftragskiller Travis (Austin)

Fazit

Take that Nazi Scumbags! Pew Pew! Wer wollte das nicht mal sagen? Inhaltlich bin ich da also voll bei unseren Helden. Dennoch muss ich einfach zugeben, dass ich mich hier und da mit dem Handy in der Hand erwischt habe. So sehr mich das Ganze also interessierte, die Inszenierung vermochte es zeitweilig nicht mich zu fesseln.

Aber ich WILL HUNTERS auf jeden Fall mögen. Der Cast liefert fantastische Arbeit ab und die Fahrt hat ja erst begonnen. Deswegen gibt’s von mir 8 von 10 Punkten!

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