Review zum Auftakt der 3. Staffel „unReal“ (Amazon Prime)

Die dritte Staffel von „unReal“ feierte am 27. Februar Premiere bei Amazon Prime

Mit dem Untertitel „lady Boss“ ist eigentlich auch alles gesagt: es geht um Macht. Und Feminismus. Es geht darum, wer die Hosen anhat, und wer möglichst nicht.

„unReal“ versucht sich mit jeder Staffel ebenso neu zu erfinden wie das serieninterne Format Everlasting auch. Stellte man sich in Staffel 1 noch als zynischen Blick hinter die Kulissen des Reality TV vor, widmete man sich in Staffel 2 dem ersten schwarzen Bachelor und somit dem Thema Quoten-Rassismus.

Nun, 6 Monate nach den Ereignissen von Staffel 2, ist Everlasting kurz vor dem aus. Etwas Neues muss her. Quoten-Feminismus ist die Devise und so erleben wir in Staffel 3 die erste Bachelorette der Serie. Serena (Caitlin Fitzgerald) wird vorgestellt als der weibliche Elon Musk. Sie ist jung, sie ist attraktiv, sie ist erfolgreich. Sie ist eigentlich zu intelligent fürs Reality TV. Und doch ist sie da. Wie man später herausfindet, und sich eigentlich denken kann, auf Grund von Unsicherheit. Was bringt ihr schließlich ihr Erfolg, wenn sie niemanden hat mit dem sie ihn teilen kann. Wenn ihr ihre Freunde Heirat und Familie vorleben und sie sich der 40 nähert. Die klassische Torschlusspanik also und somit ein gefundenes Fressen für Quinn und Rachel (Constance Zimmer und Shiri Appleby).

Es fängt an mit einem „Ich vertraue dir“

Leider deutet vieles darauf hin, dass sich die Serie mit der erneuten Neuausrichtung letzten Endes auch etwas im Kreis dreht. So werden Charakter-Entwicklungen aus vorherigen Staffeln zwangsläufig wieder umgekehrt, um die Handlung wieder ins Rollen zu bringen. Rachel stellte noch in jeder Staffel fest, dass das Lügen und Manipulieren ihr widerstrebt. Und auch zu Beginn dieser Staffel ist sie zunächst mit sich im Reinen. Sie will dem Lügen abgeschworen haben und lässt sich dennoch von Quinn mit wenigen Worten erneut überzeugen. Vielleicht ist es der Anreiz mit einer weiblichen Bachelorette etwas Qualität in das sonst so hohle Reality TV-Format zu bringen?

Und doch sieht sie bereits innerhalb weniger Serienminuten wieder, was ihr Job mit Menschen anstellt als sie das Vertrauen von Serena ausnutzt und aus einer intelligenten jungen Frau ein betrunkenes Partygirl macht – für die Quote.

„Das feministischste was du tun kannst ist mir zu helfen diese blöde Kuh auf Kurs zu bringen.“ – Quinn

Bei „unReal“ hat man schon immer starke Frauen in Führungspositionen gesehen. Das Macht nicht unbedingt zu netten Menschen macht ist dabei nichts Neues. Quinn und Rachel tun alles für die Quote und um ihre eigene Position zu stärken. Dabei gehen Sie von Anfang an auch über Leichen und ruinieren Leben auf professioneller Ebene. Feministischen Zusammenhalt sucht man bei den Beiden vergebens, wenn die Quote nun mal Drama und nackte Haut verlangt.

Dieser bissige Blick hinter die Kulissen ist es was den Reiz der Serie ausmacht. Ob dieser Reiz angehalten werden kann, bleibt abzusehen. Denn in vielen Momenten des Staffelauftaktes hatte man das Gefühl, das alles schon gesehen zu haben.

Und was tut „unReal“ nach dieser Staffel? Die erste weibliche und schwarze Bachelorette wäre jetzt etwas zu einfach. Für ein Bachelor Allstars ist es etwas zu früh. Ich selbst habe, sagen wir mal „leider“, bisher zu wenig vom echten „Der Bachelor“ gesehen, um zu wissen wie sich so ein Format neudefinieren kann. Aber ich wünsche es unReal diesen Sprung weiterhin zu schaffen, denn Zimmer und Appleby sind in jedem Fall großartige Schauspielerinnen, die es nach vielen Nebenrollen echt verdienen weiterhin in Hauptrolle zu glänzen – und unterhaltsam war der Staffelauftakt auf jeden Fall!

Mein Fazit: 8 von 10 Punkten

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