Bildrechte: © Murray Close / Lionsgate / Leonine

1 Film, 2 Meinungen: The Ballad of Songbirds and Snakes

Von Ricarda und Aki  The Ballad of Songbirgs and Snakes

Jajaja, wir sind etwas spät zur BALLAD OF SONGBIRDS AND SNAKES-Party, aber wir machen hier immer noch unsere eigenen Regeln. Deswegen möchte auch eine etwas späte Review zum „neuen“ Hunger Games Film erlaubt sein. Zugegebenermaßen war mein (Ricarda) langsames Lese-Tempo Schuld, da ich unbedingt das Buch vorab lesen wollte. Nun sind wir also hier und wollen besprechen, wie wir HUNGER GAMES – THE BALLAD OF SONGBIRDS AND SNAKES fanden. Dazu gibt es die Perspektive von mir, die das Buch gelesen hat und die Perspektive von Aki, die das Buch nicht gelesen hat!

Aber zuerst, darum geht es in HUNGER GAMES – THE BALLAD OF SONGBIRDS AND SNAKES

Der Film erzählt die Geschichte des 18-jährigen Coriolanus Snow, der einmal der tyrannische Präsident von Panem werden wird. Als er zum Mentor von Lucy Gray Baird, einem Mädchen aus dem verarmten Distrikt 12, erwählt wird, sieht er die Chance gekommen, sein Schicksal zu ändern. (Pressemitteilung Leonine Studios)

Das sagt Aki zu The Ballad of Songbirgs and Snakes

Acht Jahre nach dem letzten Hunger Games Teil ist also noch ein Film rausgekommen.
Die Frage: braucht man den? Meine Meinung … Naja geht so.

Keiner hat danach gefragt und trotzdem haben wir ihn bekommen: Der Film HUNGER GAMES – THE BALLAD OF SONGBIRDS AND SNAKES hat nicht nur einen unnötig langen Titel, sondern ist auch vollgestopft mit Story. Insgesamt 157 Minuten dauert der Film, bei dem der finale Arenakampf schon nach der Hälfte des Filmes abgehandelt wird. Alles, was danach kam, hat mich leider eher weniger mitgerissen. Durch die vielen Stationen, die er behandelt, fühlte ich mich sehr gehetzt. Auch die Strukturierung in Kapitel hat dabei wenig bis gar nicht geholfen.

Der Cast wirkte neben den wunderbaren Peter Dinklage und Hunter Schafer, die bedauerlicherweise nur kleine Rollen hatten, sehr steif. Die Chemie zwischen dem Liebespaar Lucy Gray (Rachel Zegler) und Coriolanus Snow (Tom Blyth) fand überhaupt nicht statt. So war es leider, dass die Anziehung der beiden sehr hölzern und konstruiert wirkte. Ich habe die gesamte Zeit auf eine Intrige der weiblichen Figur Lucy Gray gewartet. Das hätte der Figur definitiv mehr Farbe gegeben und der Konflikt, zwischen den Beiden wäre authentischer. Aber das Warten war vergeblich.

Emotional hat mich der Film überhaupt nicht abgeholt. Was mich sehr beeindruckt hat, war die Wahl Deutschland als Hauptspielplatz für die dystopische Erzählung zu nutzen. Hierzu wurden mehr als acht Kulissen in zbsp. Berlin, Leipzig und Duisburg gewählt. Auch meine Heimatstadt konnte ich wiedererkennen.

Im Endeffekt hat mich der Film nicht abgeholt, allerdings auch nicht komplett gelangweilt.
Ich gebe ihm 5 / 10 Punkten

Das sagt Ricarda zu The Ballad of Songbirgs and Snakes

Als großer Fan der Original Trilogie (bzw. in Film-Form Quadrologie) war für mich HUNGER GAMES – THE BALLAD OF SONGBIRDS AND SNAKES eine selbstverständliche Pflichtlektüre. Da ich jedoch ein langsamer Leser bin, kam ich erst recht spät dazu. Na ja, nun sind wir endlich hier.

Das über 500-Seiten starke Buch hat eine MENGE Plot. So viel sogar, dass man sich fragt, warum der deutlich kürzere dritte Band der Reihe auf zwei Filme gestreckt wurde, während dieses Mammut in einen gequetscht wurde. Es absolut kein Wunder, dass der Film darunter leidet. Nicht nur die eher antiklimatische Struktur, sondern auch die Plot-Dichte, macht es nahezu unmöglich, für Nicht-Leser des Buches der Handlung wirklich zu folgen oder einen echten Spannungsbogen aufkommen zu lassen.

Genau das ist auch der Grund, warum der Film eine deutlich andere Geschichte erzählt und trotzdem an eben jener scheitert. Reine Film-Zuschauer:innen sehen eine hastige Liebesgeschichte, die aus dem Nichts kommt und auch eben dahin wieder verschwindet. Man denkt, man erfährt hier, warum President Snow so ein Arschloch wurde. Ist es, weil das mit der ersten Liebe nicht klappte? Bohoo.

Nein, ist es nicht. Hier kann das Buch deutlich mehr punkten. Hier werden philosophische Debatten über die Natur des Menschen geführt. Das Buch beginnt dabei mit einer Auswahl an Zitaten, unter anderem von John Locke und Jean-Jacques Rousseau, darüber, ob der Mensch inhärent gut oder schlecht ist, und welchen Stellenwert soziale Kontrakte in einer zivilisierten Gesellschaft haben.

Nature Vs. Nurture

Fragen, die auch einen Corialanus Snow beschäftigen. Sei es, weil er unverhofft selbst in der Arena landet, oder weil die sadistische Dr. Gaul sie ihm direkt stellt. Während des Lesens empfand ich Coriolanus zunächst als halbwegs sympathisch. Er sorgt sich um seine Familie und möchte nur deren Bestes. Er will Lucy Gray retten. Ich wartete gespannt auf den Twist, der ihn zum Bösen umkehrt. Aber da kommt kein Twist, nur ein langsames Fallen einer Fassade, bis man realisiert: Der wird nicht böse, der war schon immer ein privilegierter Pfosten, welcher an genau die authoritären Grundgesetze glaubt, die er in seinem späteren Leben mit noch viel stärkerer Härte durchsetzt als jetzt.

Genau wie er seinen Mitschüler:innen etwas vormachte, macht er den Leser:innen etwas vor, und letztlich auch sich selbst. Diese „Liebe“ zu Lucy Gray war von Anfang an eine Farce. Er war ihr gegenüber besitzergreifend und wollte sie zu einer vorzeigbaren Capitol-Lady fomen. Ihr Leben, ihre Interessen waren ihm dabei stets egal. Genau wie die vermeintliche Freundschaft zu Sejanus.

Diese scheint im Film halbwegs ernst gemeint, wenn auch hin und wieder entnervt. Im Buch, welches aus Coriolanus Blickwinkel geschrieben ist, erhält man Einblick in seine wahren Gedanken. Von Anfang an blickt er auf den ehemaligen Distrikt-Jungen herab. Die Momente, in denen er sich freundschaftlich zeigt, sind nichts, als eine Option, sich am Reichtum der Plinth-Familie zu beteiligen.

Fazit: Chaos mit zu wenig Kontrolle

Diese Facetten fallen der Laufzeit des Films überwiegend zum Opfer. Was bleibt ist ein für sich gesehen immer noch viel zu langer Film, der alles, was das Buch gut macht, unter den Tisch kickt. Nicht mal die schauspielerischen Leistungen können das retten. Das einzige Licht im hölzernen Cast ist Hunter Schafer als Tigris, die absolut jede ihrer wenigen Szenen komplett für sich einnimmt. Selbst eine Viola Davis und ein Peter Dinklage können das schlechte Skript nicht retten.

Dem Film gebe ich leider ebenso maximal 5 von 10 Punkten. Dem Buch dagegen gute 8 von 10 Punkten. Es ist eindeutig besser, aber hat dennoch auch seine Schwächen. Dennoch wird hier der Grundgedanke der Original-Trilogie gut weitergeführt. Statt einer klassichen Villain-Origin-Story erhalten wir ein philosophisches Manifest, das zeigt, dass nicht jeder Bösewicht erst durch ein spezifisches tragisches Erlebnis zu eben jenem wurde.

Bildrechte: © Murray Close / Lionsgate / Leonine

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