Lesetipp: Dantes Inferno (Splitter-Verlag)

Die düstere Jahreszeit lädt zum Lesen ein. Und düstere Thematiken gehen dabei natürlich auch nach Halloween noch klar! Da hat der Splitter-Verlag einige tolle Schmöker im aktuellen Repertoire, die euch nicht vorenthalten will. Den Anfang macht die Graphic Novel Dantes Inferno der Gebrüder Paul und Gaëtan Brizzi. Basierend auf dem epischen Gedicht vom gleichen Namen geht es dabei in die tiefsten Kreise der Hölle hinab.

Darum geht es in Dantes Inferno

24 Gesänge, 9 Kreise, 1 zentrales Werk der Weltliteratur: Das »Inferno« ist der erste und bekannteste Teil der »Göttlichen Komödie«, dem unbestrittenen Hauptwerk des italienischen Dichters Dante Alighieri. Eine epische Verserzählung, welche die Reise zweier Männer, Dante und seines Führers Vergil, durch die neun Kreise der Hölle und die Todsünden beschreibt.

Auf ihrem Weg begegnen sie zahlreichen Kreaturen der Mythologie und bedeutenden Figuren der Geschichte, die für ihre Sünden qualvoll büßen müssen. Jahrhunderte nach seinem Entstehen ist die Faszination von »Dantes Inferno« ungebrochen und Künstler aller Couleur auf der ganzen Welt lassen sich von seiner zeitlosen Genialität inspirieren.

Popularismus Olé

Als sie zuerst mit der Idee konfrontiert wurden, Dantes Inferno als Graphic Novel zu adaptieren, zögerten die Gebürder Brizzi zunächst. Im Vorwort gehen die beiden auf diese Zweifel ein: „In jedem Fall musste es sich um eine Popularisierung handeln, ein Buch für ein breites Publikum, auch auf die Gefahr hin, einen intellektuellen Adressatenkreis abzuschrecken.“ Und ich sags mal so: ich bin zwar Fan klassischer Literatur und mythologischer Geschichten – aber die Popularisierung tat Dantes Alighieris Werk doch ganz gut.

Denn eins muss man dazu sagen: auch wenn hier Mythologie und düstere Bilder durchaus zu unterhalten wissen, das Originalwerk strotzt auch einfach nur so vor Religion. Und nicht der nette Part von Religion (sofern man diesen für sich da irgendwo gefunden hat). Hier wirkt richtig schön hart verurteilt. Der Typ da? Ach das ist nur Epikur, der Depp der dachte, dass wenn der Körper stirbt, stirbt auch die Seele. Für diesen medizinischen Aberglauben wird er nun auf ewig Höllenqualen leiden.

Da bin ich doch froh, über die durch die Brizzis eingebrachten Popularisierung. Denn ohne diese wäre das religiöse Element noch deutlich stärker ausgeprägt gewesen. 

Mein Fazit

Die Graphic Novel DANTES INFERNO liest sich relativ zügig. Denn wie die Autoren bereits im Vorwort klarmachten, bewegt sich das Ganze irgendwo zwischen Comic/Graphic Novel und Bildband. Viele Seiten kommen dabei mit wenig bis gar keinem Text aus. Stattdessen sprechen die Bilder mehr als Worte. Tiefe Schluchten, hohe Türme, Ödländereien voll gequälter Seelen – immerhin sind wir hier in der Hölle!

Ähnlich wie die Vorlage erfährt man nicht zu viel über die Protagonisten. Wer ist Dante, was treibt ihn an, außer die Suche nach seiner verstorbenen Liebe? Was sind seine Hobbies oder Lieblingsessen? Spielt alles keine Rolle. Es geht hier einzig und allein um die Reise hinab zur Hölle. Warum genau diese jetzt aber eigentlich notwendig ist, um eine Person, die gar nicht in der Hölle sitzt, zu besuchen – auch diese Frage wird nicht geklärt.

Folglich soll trotz aller Anpassung an unsere modernen Lesegewohnheiten erwähnt sein, dass DANTES INFERNO Fragen offen lässt. Das sind aber Fragen, die auch Alighieris Werk unbeantwortet lässt. Aber vielleicht ist ja auch genau, dass ein wenig der Reiz der Mythologie.

Alles in allem vergebe ich 7,5 von 10 Punkten für kurzweilige gute Unterhaltung.


DANTES INFERNO von Gaëtan und Paul Brizzi erschien im Splitter Verlag und ist für 39,80 Euro überall da erhältlich, wo es was zum Schmökern gibt!

Bildrechte: © Gaëtan und Paul Brizzi / Splitter Verlag

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