Interview mit Felix Kammerer zum Film IM WESTEN NICHTS NEUES

Am 29. September feierte der Film IM WESTEN NICHTS NEUES seine Deutschland Premiere. Seit diesem Tag ist dieser bundesweit in ausgewählten Kinos und ab dem 28. Oktober weltweit auf Netflix zu sehen. Der Hauptdarsteller des Filmes Felix Kammerer gibt mit IM WESTEN NICHTS NEUES sein Schauspieldebüt in einem Spielfilm – er stand überhaupt erstmals vor der Kamera. 

Wie sich Felix auf die Rolle vorbereitet hat und mit welchen Herausforderungen er konfrontiert wurde, erzählt er uns hier im Interview:

Aber worum geht’s in IM WESTEN NICHTS NEUES?

Heinrich Gerber ist einer von Hunderten deutscher Soldaten, die aus dem Schützengraben zum Angriff ins Niemandsland geschickt werden, mitten hinein in die französischen Maschinengewehrgarben. Um ihn herum wird gestorben und geschrien, Heinrich läuft immer weiter, weiter als andere – vergeblich. Auch er fällt auf dem Schlachtfeld. Bevor seine Leiche in einem Massengrab verscharrt wird, werden ihm Stiefel und Uniform ausgezogen. Die Uniform wird zurück nach Deutschland gebracht, dort gewaschen, getrocknet, bearbeitet und geflickt. Und steht dann den nächsten jungen Soldaten zur Verfügung, die an die Front geschickt werden.

Heinrich Gerbers Uniform erhält Paul Bäumer (FELIX KAMMERER), ein 17-jähriger Gymnasiast. Wie seine Freunde kann er es nicht erwarten, in den Krieg zu ziehen, den Franzosen die Hammelbeine lang ziehen, auf Paris marschieren, den Sieg davontragen. So stellen die Jungs sich das vor. So wird es ihnen von ihrem Rektor in einer flammenden Rede versprochen. Jubelnd und singend marschiert sie los, die „eiserne Jugend“, für Kaiser, Gott und Vaterland.

Die Begeisterung hält nicht lange.

Kurz hinter Malmaison, 25 Kilometer vor der Westfront, werden die jungen Soldaten erstmals angegriffen, Granaten schlagen ein. „Gas“, schreit ihr Offizier. Falscher Alarm: Er will nur sehen, wie schnell das neue Kanonenfutter ist, wie gut vorbereitet. Paul hadert mit seiner Gasmaske. Die anderen dürfen ihre wieder abnehmen, er muss sie bis zum Abend aufbehalten. Strafe muss sein. Durch Matsch und Schlamm geht es weiter. Als sie im Schützengraben ankommen, regnet es in Strömen. Wasser schöpfen, lautet der erste Befehl. Der Schützengraben läuft voll, ist ein einziger Morast. Paul lernt Katczinsky (ALBRECHT SCHUCH) kennen. „Der Mensch ist ein Biest“, sagt der. Und gibt Paul etwas zu trinken. Endlich eine menschliche Geste.

Er habe sich das anders vorgestellt, meint Pauls Klassenkamerad Ludwig (ADRIAN GRÜNEWALD), triefend nass, frierend, der seine Hände schon nicht mehr spüren kann. „Er soll sie sich in die Unterhose stecken – das wärmt“, sagt Katczinsky, der in diesem Krieg alles schon gesehen hat und der immer noch lebt. Nachts muss Paul mit seinem besten Freund, Albert Kropp (AARON HILMER), Wache halten. Sie hören Geräusche, schießen aufs Geratewohl. Auf das Mündungsfeuer wird sofort geantwortet. Eine französische Kugel durchschlägt Pauls Helm, geht knapp an seinem Kopf vorbei.

Wieder eine Lektion.

Leuchtkugeln steigen auf, erhellen das Niemandsland in bizarrer Schönheit. Bis die Hölle wieder losbricht. Die Franzosen nehmen den Schützengraben unter Beschuss. Paul und seine Freunde gehen in Deckung, stehen Todesängste aus. „Feuerwalze“, sagt Tjaden (EDIN HASANOVIC). Das Granatfeuer nutzt die Infanterie, um nachzurücken. „Die Franzosen kommen“, wird geraunt. Eine Granate schlägt im Unterschlupf ein, Paul wird lebendig begraben, liegt unter den Trümmern. Am Morgen wird er befreit. Aber durchschnaufen ist nicht möglich. Paul muss die Hundemarken der bei dem Angriff Gefallenen einsammeln. Unter den Toten ist sein Freund Ludwig. Paul bricht in Tränen aus. Und macht dann weiter. Viele sind gestorben. Und es werden immer mehr.

18 Monate später. November 1918.

Der Krieg ist so gut wie verloren. Der liberale Abgeordnete Erzberger (DANIEL BRÜHL) will die Oberste Heeresleitung überzeugen, dass es an der Zeit ist, die Niederlage einzugestehen und einen Waffenstillstand auszuhandeln.

Champagne, besetztes Gebiet. Tage ohne Kampfhandlungen. Auf einem Bauernhof klauen Paul und Katczinsky eine Gans, das beste Festmahl seit Langem. Tjaden ist dabei, von Pauls Schulkameraden noch Albert Kropp und Franz Müller (MORITZ KLAUS). Die Männer lachen, malen sich aus, wie es sein könnte, wenn der Krieg vorbei ist. Die Post kommt. Ein feierlicher Moment. Katczinsky erhält einen Brief seiner Frau, die ihm Mut macht, der Krieg sei bald vorbei. Paul darf ihn vorlesen. Am nächsten Morgen sollen die Männer losziehen, nach einem Trupp von Neuankömmlingen suchen, die eigentlich längst hätten ankommen sollen. Es ist eine erschütternde Suche: In einer Lagerhalle liegen sie alle beisammen, tot, erstickt, verreckt, ein Gasangriff, bei dem sie zu früh wieder die Masken abgenommen haben. Deutschland muss bald leer sein, sagen sich die Soldaten.

Am 8. November 1918 fährt Erzberger im Zug zu einem vereinbarten Ort in Compiègne, um dort die Waffenstillstandsverhandlungen aufzunehmen. Ganz zum Missfallen des Generals Friedrich (DEVID STRIESOW), der das als Verrat am Vaterland empfindet. Er will lieber bis zum letzten Mann weiterkämpfen, wie es sich für deutsche Soldaten gehört. Alles andere betrachtet er als Feigheit vor dem Feind. Erzberger und seine Gesandtschaft ziehen los zu dem Treffen mit Marschall Ferdinand Foch, der natürlich weiß, dass er der Sieger ist. Er lässt die Deutschen erst einmal abblitzen, führt sie vor, bietet ihnen schließlich aber einen Waffenstillstand an, allerdings komplett zu seinen Konditionen. 72 Stunden gibt er Erzberger, um zu unterschreiben. Bis dahin wird weiter sinnlos gestorben.

Ein Wettrennen gegen die Zeit.

Mitten in der Nacht rücken die Soldaten wieder aus, zum nächsten Schützengraben, zum nächsten Gefecht, zum nächsten Angriff. Unter großen Verlusten gelingt es ihnen, den französischen Schützengraben einzunehmen. Es ist kein Triumph, schon lange nicht mehr. Dann kommen die Panzer, schließlich die Flammenwerfer. Paul muss mit ansehen, wie sein Freund Albert elend stirbt. Es ist eine vernichtende Niederlage. Paul flieht in einen Granatenkrater. Im Nahkampf verletzt er einen französischen Soldaten und sieht ihm beim langsamen Sterben zu. In den letzten Momenten erinnert er sich an seine Menschlichkeit und versucht, dem anderen zu helfen, seine Schmerzen zu lindern. In den Taschen des Franzosen findet Paul Fotos von dessen Frau und dessen Tochter. Er kann nicht fassen, was aus ihm geworden ist. Sein Schrei ist fürchterlich, aber man hört ihn doch nur wenige Meter.

Erzberger kann sich durchsetzen, den Waffenstillstand unterschreiben. Für Deutschland ist der Krieg zu Ende. Die Männer können nach Hause. Oder besser: könnten nach Hause, wenn General Friedrich sich mit der Niederlage anfreunden könnte. Er will diese Schande indes nicht akzeptieren. Und trifft eine Entscheidung.

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